Selbstwirksamkeit für den Clearing-Prozess

Die Quote an jungen Menschen ist nicht geringer geworden, die die allgemeinbildende Schule ohne konkrete Perspektiven verlassen, und in vielen Fällen noch Jahre danach nicht imstande sind, eine Berufsausbildung anzufangen. Sie kommen in der JBA und anderen Beratungsinstanzen an, sind beim RSD und Trägern der HzE bekannt.

  • Als das Blitzjob-Verfahren 2018 Teil der Jugendberufsagentur Berlin am Standort Pankow wurde, war der Gedanke, die Blitzjobs als Förderung der beruflichen Orientierung einzusetzen. In der Praxis hat das Format noch weitere Perspektiven im Rahmen der klärenden Aktivierungsarbeit gezeigt.
  • In der Jugendberufsagentur/SGB VIII kommen vermehrt junge Menschen an, die noch nicht bereit sind für Berufsorientierungs- bzw. Schulungsprozesse.
  • Im Vordergrund steht für diese jungen Menschen die Klärung psychosozialer bzw. gesundheitlicher bzw. sozialer lebensweltlicher Umstände.
  • Um diese klärenden Prozesse konstruktiv voranzubringen ist es von Vorteil, wenn die jungen Menschen eine gewisse Selbstwirksamkeit bzw. Handlungsbereitschaft mit in den Beratungsraum bringen.
  •  An der Stelle setzt das Blitzjob-Verfahren an:

Viele hilfesuchende junge Menschen haben große Hemmnisse und sind mit Unschlüssigkeit gefüllt angesichts Beratungsprozessen und eher bereit, gleich Blitzjobs zu machen.

Nach dem ersten Einsatz merken die jungen Menschen:

  • Als Blitzjobbee kommst du bei Einsatzstellen an, wo du respektvoll behandelt und eigens angelernt wirst. 
  • Zu jedem Einsatz kannst du „ja“ oder „passt nicht“ sagen. 
  • In einer unkompliziert telefonisch geführten Auswertung mit dem Blitzjob Coach unmittelbar nach jedem Einsatz wirst du nach deiner Einschätzung der Blitzjob-Stelle gefragt und bekommst mit, wie der oder die Anleiter:in dich eingeschätzt hat.

Mit sofortiger Wirkung das Selbstwertgefühl steigern

Die junge Menschen merken, dass sie (exemplarisch) imstande sind, einen Nutzen für andere herzustellen.

  • Die Bezahlung bringt – über Lob und Anerkennung hinaus – den Beweiß für Wirkungen ihres Engagements. In dieser Lage, mit frischen Selbsterfahrungen, werden sie eher bereit für Beratungs- und andere Klärungsprozesse.
  • Nach nur wenigen Blitzjobs beginnt die Selbsteinschätung der jungen Menschen sich zu wandeln. Ein verstärkter Zweifel zu Fragen wie „welche Unterstützung brauche ich, und welche Ausbildung strebe ich an“ wirken dabei konstruktiv in der Vermeidung von unhaltbaren schnellen Entscheidungen.
  • Auch gibt es viele Fälle, wo eine verstärkte medizinische Behandlung, Therapie oder Kuraufenthalte infrage steht, bevor mit Blitzjobs das „aktiv sein“, Schlüsselkompetenzen wie Belastbarkeit, Durchhaltevermögen und Verbindlichkeit aktiviert werden können und danach das Lernen und die Ausbildungssuche wieder ins Zentrum rücken.

Besondere Merkmale vom Blitzjob als Instrument der Jugendberufshilfe

Schritt für Schritt

Die jungen Menschen müssen keine Zusagen für längere Programme leisten (wofür sie nicht entscheidungsbereit sind), sondern können spontan „ja“ oder „nein“ zu jedem Blitzjob-Angebot sagen. Ihre Entwicklung beginnt in ihnen, und nicht primär rundum sie, als Fall zu wirken.

Neue Chancen

Die Aufnahme bei Blitzjobs ist unbürokratisch, in Problemfelder wird nicht „gebohrt“ (außer Fragen nach körperlichen/mentalen Einschränkungen hinsichtlich Arbeitsbelastung). In der Regel erfolgt der erste Blitzjob schon wenige Tagen nach der Anmeldung. Bei den Einsatzstellen agieren die Blitzjobbees mit einem Alias, sodass ihre wahre Identität geheim bleibt und sie auch hier nicht befürchten müssen, primär als „Problemträger:in“ betrachtet zu werden. Die Einsatzstellen sind zu 2/3 Firmen und Privatpersonen außerhalb der Hilfesysteme, und sie werden bei ihrer Registrierung bei Blitzjobs mit toleranzbildenden Spielregeln qualifiziert.

Wenig Zeit, viel Wirkung

Blitzjobbees müssen nicht viel Zeit bei Blitzjobs investieren. Mit bspw. 4 bis 8 Blitzjob-Einsätzen pro Monat werden die jungen Menschen nicht genötigt, bestehende Strukturen umkrempeln zu müssen (was bei vielen schwer erreichbaren jungen Menschen immer wieder zu Überforderung und „drop-out“ führt). Die Blitzjobs verstehen sich als „akupunkturelle Interventionen“, als „sekundärpräventive Maßnahmen“ (Verschlimmerung vermeiden, Zukunftsperspektiven verankern), die wie „Gedächtnisperlen“ im mentalen Selbstverständnis des jungen Mernschen neue Zuversicht, Mut und Realitätsgefühl verankert. Die methodischen Ursprünge des Verfahrens kommen aus der Arbeit mit marginalisierten Gruppen wie traumatisierte Geflüchtete, Gefangene und Betroffene von Drogensucht und Depression.

Rechtlich unkompliziert

Blitzjobbees sind haft- und unfallversichert, können in allen Sektoren Einsätze leisten und sind dennoch im Ehrenamtsformat verankert, weshalb die Aufwandsentschädigungen auf keine Sozialbeiträge angerechnet werden und auch die „Positivliste“ nicht geltend ist. Die maximale Einnahmensmöglichkeit von 720€/Jahr hat sich als ausreichend erwiesen, da das Blitzjob vor allem als Instrument in Übergangsphasen mit beschränkter Arbeitsverfügbarkeit (neben gesundheitlichen und sozialen Klärungsprozessen auch  Bildungsmaßnahmen etc.) eingesetzt wird.

Rückkopplung mit Kennzahlen

Das Blitzjob-Format wird von aufsuchenden mobilen Coachingmethoden sowie einer umfangreichen Software für das Festhalten von Teilnehmendenprofilen, Matching und Blitzjob-Ergebnissen mit den Fremdeinschätzungen der Einsatzstellen begleitet. Bspw. sind 22 Kategorien über den Verlauf einzelner Blitzjobs standardisiert, wobei nur 6 davon durchgeführte Blitzjobs betreffen, und die anderen Kategorien wie „keine Zeit“, „nicht imstande“, „darf nicht“, „abwesend inakzeptabel“, „abwesend OK“ etc. Somit kann die typisch sprunghafte Verbindlichkeit bei benachteiligten jungen Menschen durch Evidenz und viele punktuelle partizipative Auswertungsmomente konkretisiert und sowohl für den jungen Mensch selbst, für Blitzjobs Coaches und weitere datenschutzentbundene Fachpersonen nachvollziehbar dargestellt werden. 

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