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Duales Lernen - Sozialraumorientierte Schule

Instrumente zur strategischen Planung von passgenauen, berufsorientierenden Aktivitäten für Schüler*innen

Ein ImpulsKonzept von Caiju Innovationswerkstatt, 2011

Zusammenfassung

Die Grundhaltung des Implus-Konzepts Duales Lernen - Sozialraumorientierte Schule hat sich entwickelt aufgrund Erfahrungen aus der laufenden Projektarbeit bei Caiju, vor allem im Projekt TeenKom, im Projekt „Roter Faden“, indem die Qualität der Übergangssysteme untersucht und exemplarisch optimiert wird, aber auch in der Arbeit mit benachteiligten Zielgruppen wie traumatisierten Flüchtlingen und Gefangenen. (Siehe Der Rote Faden / ArtSourceLab). Der zentrale Gedanke des Konzeptes basiert auf der Erfahrung, dass die gegenwärtigen Probleme der Schule in ihrer Ursache nicht gelöst werden, wenn wir bloß "ein weiteres Block-Angebot" einbringen (Siehe Anhang 1, Problemlage).
 

Wenn wir in unterschiedlichen Schulen feststellen, dass nur ein Drittel der Schüler ein "strategisch motiviertes" Praktikum in der neunten Klasse absolvieren, müssen wir aktiv werden und unser Beratungsangebot vor allem auch darin sehen, Kontinuität und Passgenauigkeit im Schulalltag und Verantwortungsbewusstsein seitens der Schüler (und deren Eltern) methodisch konsequent zu fördern und zu fordern. Bei Herausforderungen, bei denen die Familien "eigentlich" die Schüler mehr unterstützen müssten, wird das schuleigene Personal verständlicherweise überfordert, wenn zugleich alle schulinternen UND schulexternen Aktivitäten "strategisch" entwickelt und organisiert werden müssen, um den Schüler*innen eine individualisierte Zukunftsperspektive zu ermöglichen.

Es braucht im Handlungsraum Schule einen neuen „Rolleninhaber“, einen Coach, der weder Lehrer noch Projektanbieter (im herkömmlichen Sinne) ist, sondern der ganz nah an den Lebenswelten stehend, die Schüler*innen individualisiert und kontinuierlich nach Bedarf darin unterstützt und ermutigt, mit ihren Ressourcen und Chancen optimal umzugehen.

Man könnte sich hier eine Aufgabe mit einem nicht zu bewältigenden Volumen vorstellen. Die Caiju Projektgruppe nimmt sich dieser Herausforderung seit Jahren in der Arbeit mit benachteiligten bzw. nicht ausbildungsreifen Jugendlichen an und bietet jetzt ein maßgeschneidertes Instrumentarium, zu dem das neue „Lernticket“-Verfahren, das Telefon-Coaching, das Peer-Group-Coaching, die Blitzjobs für Schüler*innen und eine eigens dafür entwickelte „Casemanagement Light“-Software gehören.

Ziel ist es, Intentionen der neuen Berliner Schulreform hinsichtlich der Beteiligung von Schüler*innen praktikabel und nachhaltig zu realisieren. Durch die Anwendung von erfolgreich erprobten partizipativen Instrumenten soll ein gesteigerter Praxisbezug zeitlich passgenau alle Akteure berücksichtigen:

  • den individuellen (sich kontinuierlich verschiebenden) Bedarf der Schüler*innen
  • die Jahresplanung der Schule
  • die terminlichen und inhaltlichen Möglichkeiten der in der Schule tätigen freien Träger und außerschulische Anbieter von Aktivitäten

Im Konzept „Sozialraumorientierte Schule“ würde das Verfahren schon ab der 7. Klassenstufe eingesetzt werden, um frühzeitig den "Verbindlichkeits- und Partizipationsprozess“ mit den Schüler*innen punktuell zu üben, bevor die entscheidende Phase der beruflichen Bestimmung ansteht.

Ausführlich sind die methodischen Ansätze weiter unten im Anhang 2 erläutert. Zusammengefasst werden folgende Methoden eingesetzt:

Verankerungsgespräch und Auswahl für Aktivitäten – zu Beginn des Verfahrens werden alle Schüler*innen in einem 5-10minütigen „Unter vier Augen“-Gespräch zu ihrem aktuellen Stand und dem persönlichen Bedarf, aus der eigenen Perspektive heraus geschildert, durch den Coach befragt. Kontaktdaten werden ausgetauscht, eine erste Vereinbarung wird für die nächste anstehende Aktivität getroffen sowie erste Gedanken zu Fernzielen festgehalten. Nach einer Beratung mit dem jeweiligen Klassenlehrer werden die Schüler in Bedarfs-Kategorien eingeteilt:

  • Bedarf nach außerschulischer Berufsinspiration (Unternehmensbesuch, Tag der offenen Tür etc.)
  • Bedarf nach Bewerbungstraining, Recherche, Kontakttraining etc.
  • Lebensweltliche Problemlagen (gesundheitliche oder psychosoziale Problemlagen verhindern den Fokus auf die berufliche Zukunft)
  • Kein besonderer Bedarf (mit diesen Schüler*innen sollte ebenfalls Kontakt aufgenommen werden, weil es zum einen durchaus interessante und förderliche Aktivitäten für sie geben kann und zum anderen können die Schüler selbst im Rahmen von Peer-Coachings ihre lösungsorientierten Ressourcen einbringen.)

Das Verfahren ist so organisiert, dass ein Schüler*in im Prinzip jederzeit die Kategorie wechseln kann, wobei der Coach bei Verdacht auf einen unfruchtbaren Richtungswechsel oder bei Teilnahmeverweigerung interveniert.

Lernticket – Bei jeder folgenden Aktivität werden Schüler*innen klassen- und schulübergreifend, entsprechend der vorausgegangenen Vereinbarung, zur Teilnahme eingeladen. (siehe detaillierter Vorgang im Anhang 2)

Telefon-Coaching – Mit kurzen Anrufen nach der Schulzeit kann der Coach individuell klären, warum beispielsweise eine vereinbarte Teilnahme vom Schüler*innen nicht wahrgenommen oder abgelehnt wurde. Bei Bedarf wird ein Gesprächstermin vereinbart bzw. der Coach berät sich mit dem zuständigen Lehrer*in bzw. Betreuungsperson zur Situation.

Schlichtung, Ermutigung, Auswertung, Zielstellung - Der Verfahrenscoach arbeitet stets lösungsorientiert und versucht, seine aktivierenden Ansätze einzubringen. Gleichzeitig und schlussfolgernd veranlasst er die am meisten angemessene Herausforderung für den einzelnen Schüler*in.

Akquise von Aktivitäten – Als Dienstleister für die berufsorientierenden Aktivitäten recherchiert, vernetzt und plant der Verfahrens-Coach die außerschulischen Aktivitäten in Abstimmung mit den Lehrern und den Projektmitarbeitern der laufenden Projekte.


Durch die Auswertung von Befragungen einer repräsentativen Auswahl von Teilnehmern des Projektprozesses und durch statistische Erhebungen mit Hilfe der Projekt-Software werden die Indikatoren messbar.

Ziel 1: Beim gesteigerten Praxisbezug wird der individuelle (sich kontinuierlich verschiebende) Bedarf der Schüler*in berücksichtigt

Indikatoren:

  • Der Coach schafft es, alle Schüler*innen ins Verfahren aufzunehmen. Dennoch wird der Coach sich ausreichend um die Hauptzielgruppe, bedürftige Schüler*innen, kümmern können, u.a. dadurch, dass Peer-Coaching-Effekte aktiv genutzt werden (klassen- und schulübergreifende Aktivitäten mit hoher Selbstorganisation). 
  • Das Verfahren hat einen „offenen“ Charakter. Schüler*innen werden aufgrund von kontinuierlich fortzuschreibenden Vereinbarungen in Aktivitäten vermittelt. 
Ziel 2: Die Jahresplanung der Schule wird bei gesteigertem Praxisbezug der Schüler*innen berücksichtigt.

Indikatoren:
  • Die berufsorientierenden Aktivitäten werden vom Coach auf die aktuellen Themen der Schulfächer bezogen. 
  • Die Lehrer nutzen die Möglichkeit, Fachthemen mit Praxisangeboten zu verknüpfen, indem sie ihren Bedarf an Aktivität beim Coach anmelden. 
Ziel 3: Die in der Schule tätigen freien Träger und außerschulischen Anbieter von Aktivitäten werden bei gesteigertem individualisiertem Praxisbezug unterstützt.

Indikatoren:
  • Der Coach informiert sich eingehend über die Angebote und deren Teilnahmebedingungen. 
  • Zwischen dem Verantwortlichen des Angebots und dem Coach werden Vereinbarungen zu den passgenauenTeilnahmebedingungen getroffen. 
 

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Anhang 1

Über den aktuellen Stand in den Berliner Schulen (Stand 2011)

Ab Herbst 2010 wurde in Berlin eine neue Schulreform eingeführt. Mit der Zusammenlegung von Real- und Hauptschulen in Integrierte Sekundarschulen (ISS) verschwindet die „Endstation Hauptschule“, Schuldistanzierung soll durch Duales Lernen mit mehr Praxiserfahrung außerhalb der Schule entgegengewirkt werden. Nicht nur die Bildungsmotivation, sondern auch die Bildungsperspektive soll stärker stimuliert werden. Der Sprung von der ISS-Schulform in die gymnasiale Oberstufe soll erleichtert werden, und eine bestimmte Quote von Plätzen im Gymnasium durch Losverfahren vergeben werden, um dem Druck des höchsten Notenschnitts entgegenzuwirken.

Um die Fragen, was nach der Schule passiert, bemühen sich auf dieser Ebene der prinzipiellen Systementwicklung zurzeit zwei zentrale Projekte:

  • mit EALS (www.wege-zum-beruf.de ) wird eine Software zum Monitoring und Schnittstellenmanagement von dem Übergang von Schulen in Oberstufenzentren flächendeckend in Berlin eingeführt. 
  • Hinsichtlich der Kooperation zwischen Schulen und Trägern dient das Projekt RÜM (www.ruem-berlin.de) dem regionalen (bzw. bezirklichen) Übergangsmanagement mit einem Plakat zum Leitsystem "Wohin nach der Schule" und mit bezirklichen „Schnittstellenkonferenzen“ seit 2008. 

Bei diesen beiden Projekten steht die Abstimmung der Institutionen bzw. der fortbildende Aspekt im Vordergrund.

Bei beiden Projekten ist zu bemerken, dass sie wichtige Voraussetzungen für Effizienz und Passgenauigkeit im Übergangssystem etablieren, wobei keines der Projekte die Problematik der Partizipation der Jugendlichen mit berücksichtigt. Eine institutionelle Effizienz wird sich schließlich erst im praktischen Alltag durchsetzen können, indem die Zielgruppe von Jugendlichen viel stärker in die Prozesse eingebunden und verantwortlich gemacht wird. Deshalb sieht es Caiju als dringend erforderlich an, sowohl den Prozessen in der Schule als auch den über die Schule hinaus gehenden Prozessem eine partizipative Grundlage zu geben.

Problemlage

Es ist noch zu früh, die Auswirkungen der neuen Schulreform zu beurteilen. Dennoch kann auf erkannte Probleme hingewiesen werden, die allem Anschein nach nicht konsequent in der neuen Schulreform berücksichtigt worden sind. Mehr Praxis kann vermutlich dazu beitragen, schulmüde oder schulisch überforderte Jugendliche wieder Motivation und Zielstrebigkeit erfahren zu lassen. Entscheidend dafür ist die Qualität der Praxis:

  • "Reale Praxis" wird nur erfolgreich motivieren können, wenn die ausgeübten Tätigkeiten auch nützlich und sinnvoll sind. 
  • „Praxis zum Ausprobieren“ in geschützten Werkstätten kann für solche Jugendlichen sinnvoll sein, die bereits motiviert sind und sich mit eigenen Fähigkeiten auseinandersetzen wollen. Diese Form der Praxis ist aber kontraproduktiv für Jugendliche, die den Sinn und das Rollenverständnis im Arbeitsleben erst erfahren müssen, um weiterlernen zu wollen. Beim Dualen Lernen muss grundsätzlich zwischen diesen beiden Formen der Praxis unterschieden werden. 
  • Bedarf der Unternehmen - Beim Ansatz des Dualen Lernens stellt sich ein organisatorisches Problem: Wie können Schulen ganze Klassen rausschicken und erwarten, dass genau zu diesem Zeitpunkt Unternehmen Zeit und Bedarf für praktizierende Jugendliche haben? Der Praxis-Ansatz läuft hierbei Gefahr, zu viel ‚Show-Room’-Effekt zu bieten, und zu wenig Nützlichkeit und Beteiligung. 
  • Passgenauigkeit oder Luxus - Ein Problem besteht für die Lehrkräfte und freien Träger auch darin, außerschulische Aktivitäten passgenau für alle zu organisieren: Die Aktivitäten genau dann zu organisieren, wenn der einzelne Jugendliche sie braucht (dafür den Bedarf erkannt und die Motivation hat, die Herausforderung anzupacken) UND gleichzeitig ein Anbieter (Unternehmen oder sonstige Anbieter von Aktivitäten) Kapazität und Bedarf hat, Jugendliche in der Organisation (wenn auch nur für einen halben Tag) zu integrieren. Unternehmen, die aus Goodwill (ohne reellen Bedarf) Jugendliche beteiligen, werden ihren Service nur solange anbieten, wie sie sich diese „Luxushaltung“ leisten können. Hier kann nicht von nachhaltigen Partnerschaften die Rede sein. 
  • Außerschulische Servicestelle statt Partnerschaft Schule-Unternehmen - Von Wirtschaftsverbänden, Schulbehörden und Medien geht der Appell an die Schulen: „Entwickelt Partnerschaften mit Unternehmen!“ Das Problem dabei: Eine Schule schafft es vielleicht 3 bis 5 Partnerschaften aufzubauen und zu pflegen. Angesichts der Vielfalt der heutigen Arbeitswelt ist dies leider viel zu wenig. Nur für ganz wenige Schüler*innen stellen diese Firmen eine tatsächliche Berufsperspektive dar. Statt die Schulen mit dieser Vernetzungsarbeit zu überfordern, kann eine außerschulische Servicestelle eine Vielfalt an Angeboten schulübergreifend zur Verfügung stellen und mittels eines Coaches mit den schülerspezifischen Bedürfnissen verknüpfen. 
  • Konkurrenzkamp um Jugendliche - Jugendliche sind begehrte Zielgruppen. Nicht nur Firmen, sondern auch alle Schulen und Oberstufenzentren stehen im Konkurrenzkampf. Ihr Marketing ist entsprechend überall zu finden, im öffentlichen Raum, in den Medien und auch in der Schule. Man muss sich fragen, was diese Informationsflut für die Bemühung um passgenaue Entwicklungen bedeutet. 

1. Keine unvorbereiteten Aktivitäten

In Projekten zur vertieften Berufsorientierung mit über 250 Schülern haben Caiju Mitarbeiter festgestellt, dass maximal ein Drittel der Schüler ein strategisch vorbereitetes Betriebspraktikum in der neunten Klassenstufe absolviert. Mit „Sozialraumorientierte Schule“ sollen alle Schüler und Lehrer schon ab der siebten Klassenstufe mittels neuer verbindlicher Planungsverfahren unterstützt werden. Die vielbesprochene „Überforderung“ bzw. fehlende Ausbildungsreife bei Schülern ist in der Tat eher eine längere Gewohnheit, mit „Unterforderung“ klar zu kommen. Mangelnde Konzentration, Fleiß und Verbindlichkeit will nicht heißen, dass ein Schüler nicht intelligent oder handlungsunfähig ist, sondern dass der betreffende Schüler kein klares Rollenverständnis hat, um selbstwirksam zu sein. Manche Schüler werden durch Fokussierung auf lebensweltliche Umstände konzentriert und strategisch eingestellt, andere brauchen individuelle Erfahrungen von ihrer eigenen Nützlichkeit oder indem sie selbst Verantwortung tragen dürfen. 

2. Passgenau zur richtigen Zeit

Aktivitäten für Schüler sollen mit „Sozialraumorientierte Schule“ nach dem Ansatz „passgenau zur richtigen Zeit“ (delivery on demand) statt „alles zu seiner Zeit“ organisiert werden.

  • Um dies zu realisieren, soll ein Coach durch Einzelgespräche mit allen Schülern des neunten und zehnten Jahrgangs der bevorstehenden Berufswegeplanung eine Verankerung geben. Mit Gesprächen von zirka 6 Minuten Dauer werden erfahrungsgemäß genug Informationen gesammelt, um
    • ein Profil anzulegen. Datenschutz wird zum Wohle des Jugendlichen berücksichtigt (detaillierte Ausführung hier ausgelassen).
    • eine generelle Perspektive über vergangene und denkbare Entwicklungswege anzulegen
    • eine Vereinbarung, betreffend das als nächstes kommende außerschulische Aktivitätsfeld, schriftlich festzuhalten
    • Kontaktdaten (auf freiwilliger Basis) auszutauschen, mit denen der Coach den Schüler direkt erreichen kann und umgekehrt. Eine kostenlose 0800-Nummer steht den Schülern zur Verfügung.
  • Bei einem max. einstündigen Termin stimmt der Coach seine Eindrücke von jedem Schüler mit dem Klassenlehrer ab (unter gegenseitigem Vorbehalt des Datenschutzes, siehe oben). Dieser Abstimmungstermin findet 2 bis 3 Mal (oder nach gegenseitigem Bedarf) pro Schuljahr statt.

3. Einladung und Auswertung mit dem Schüler durch Lerntickets

Zu jeder Aktivität werden Schüler entsprechend der vorausgegangenen Vereinbarung mittels einem Lernticket individuell eingeladen. Die Einladung wird online (im passwortgeschützten Profil des Schülers) und parallel als A4-Zettel durch die Klassenlehrer verteilt. Sollte ein Schüler die Teilnahme ablehnen oder den Antwortzettel nicht im Sekretariat abgeben, wird er vom Coach kontaktiert. Bei einem „Nein“ werden die Gründe dafür in einem typischen kurzen Telefonat zwischen Schüler und Coach besprochen, gegebenenfalls die Zielstellungen umgehend justiert und durch eine entsprechende neue Vereinbarung ersetzt. Somit sind alle Schüler immer in Zukunftsvorstellungen und Planungen eingebunden, ohne dass der Lehrer alle Fäden der außerschulischen Aktivitäten organisatorisch im Griff haben muss.

4. Dienstleistung und Entlastung für die Lehrer

Das Lernticket ist selbsterklärend, sodass der Klassenlehrer keine Unterrichtszeit mit Besprechung außerschulischer Aktivitäten (kann es aber tun, falls relevant) verliert. Der Umstand, dass einige Schüler eine schriftliche Einladung bekommen, andere Schüler keine, weckt das Interesse „was ist jetzt das da“. Der Coach versteht sich als Dienstleister für die Lehrer und für die in der Schule laufenden Projekte. Haben Lehrer Ideen oder konkrete Pläne für außerschulische Aktivitäten, melden sie diese beim Coach an. Er konkretisiert das Organisatorische entsprechend terminlicher Wünsche der Lehrer bzw. Projektmitarbeiter und Möglichkeiten der außerschulischen Anbieter. Durch Feedback auf dem Wege der bevorzugten Kommunikationsform verläuft diese Dienstleistung ohne zeitraubende Sitzungen.

5. Außerschulische Anreize OHNE Werbung

Es ist verständlich und auch eine Folge der institutionellen Konkurrenz, dass weiterführende Bildungseinrichtungen, Ausbildungsmessen etc. Flyer für ihre Veranstaltungen machen. In der schulischen, zeitlich strapazierten Realität wirken die aufgehängten Hochglanzbroschüren aber eher wie unkoordinierte Appelle. Die Werbung wirkt passgenauen Planungen entgegen, und soll zunächst nur für den Lehrer und den Coach berücksichtigt und nicht für alle Schüler ausgehängt werden. Wenn erst die Relevanz bei dem einzelnen Schüler festgestellt ist, können Flyer wieder gezeigt werden. So wird auch respektvoller mit ihnen umgegangen.

6. Berufsorientierung eher NICHT im Klassenverband

Soll passgenaue Berufswegeplanung umgesetzt werden, bedeutet dies neue individualisierte Handlungsmuster innerhalb des Klassenverbandes. „Sozialraumorientierte Schule“ sieht dabei eine konsequente Gliederung vor:

  • Aktivitäten im Klassenverband sollen dafür genutzt werden, um soziale und interkulturelle Kompetenzen zu stärken.
  • Berufsvorbereitende Aktivitäten sollen hingegen selten im Klassenverband stattfinden, sondern klassen- oder schulübergreifend, entsprechend den kontinuierlichen Vereinbarungen des Coaches mit Einzelschülern. Mit dieser Kombination von absoluter Freiwilligkeit und Vereinbarung können erfahrungsgemäß alle Schüler belastungsoptimiert schrittweise für ihre berufliche Zukunft aktiviert werden. Sollten einzelne Schüler dieser Arbeitsform ablehnend gegenüberstehen, führt der Coach erst ein oder mehrere Einzelgespräche mit dem Jugendlichen, nimmt in Absprache mit dem Jugendlichen Kontakt mit dem Elternhaus auf und versucht durch Alternativangebote, wie dem bezahlten Blitzjob (siehe Anlage), den Schüler zu aktivieren oder veranstaltet bei psychosozialen Belastungserscheinungen einen Gesprächstermin bei einem dafür spezialisierten Träger oder einer Behörde.

Die vorgesehene individualisierte bzw. asymetrische Partizipation fordert eine kontinuierliche Abstimmung zwischen Schulplan und außerschulischen Aktivitäten. Im Rahmen der ISS-Schulform sind aber die Nachmittagsstunden gerade für außerschulische Impulse vorgesehen. Durch präzise Kommunikation und die Nutzung eines gemeinsamen login-geschützten Kalenders (Vorbild Moodle) wird diese Vielfalt steuerbar. Hier hat der Coach eine primäre Verantwortlichkeit, alle Akteure auf dem Laufenden zu halten. Sollten Akteure (Lehrer, Schüler, Kooperationspartner) vergessen oder es anderweitig nicht schaffen, selbst online zu gehen, sieht das der Coach und er informiert und trifft in diesem Falle Absprachen durch andere Kanäle (Telefon, Email, Schulfach, per Post).

7. Dienstleister für Anbieter von außerschulischen Aktivitäten

Sowohl hinsichtlich der organisatorischen Planung als auch für die inhaltliche Planung, Auswertung und Optimierung versteht sich der Coach auch als Dienstleister für Unternehmen, Informations- und Beratungsstellen. Beispielsweise wird der Coach die für einen Berufsberater mühsame Arbeit übernehmen, Termine mit nicht motivierten Schülern zu vereinbaren und verbindlich wahrzunehmen, auch hinsichtlich solcher Aktivitäten, die als Folge der Beratung vereinbart wurden.