TeenKom TK2-MatchingModul

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Schnittstelle zwischen Sozialprojekt und Software!

Mit Technikern Software entwickeln, die der Jugendarbeit zugutekommt.

von Per Traasdahl

Erstmalig als Beitrag im Paritätischen Rundbrief 2/2019 (Seite 30/31) mit dem Schwerpunkt-Thema Digitalisierung – wie sie die soziale Arbeit verändert publiziert, Mai 2019

 

Softwarelösungen für den Arbeitsalltag

Ziel von Caiju ist es, mehr Beteiligung und dadurch mehr Effizienz in der Integrations-, Bildungs- und Nachwuchsarbeit mit jungen Menschen zu bewirken. Aus unserer Zusammenarbeit mit Betrieben, Schulen, Ämtern, sozialen Trägern, Eltern und weiteren Multiplikator*innen ergeben sich Netzwerke mit hunderten von Akteuren, die alle wichtig sind, um vielfältige inklusive Handlungsrahmen für unsere primäre Zielgruppe - junge Menschen - zu schaffen. Hier kommt Digitalisierung in Form von Softwarelösungen für den Arbeitsalltag unserer Fachkräfte ins Spiel.

 

Projektformat „TeenKom – Blitzjobs für junge Menschen“

Erfahrungen im Zusammenwirken sozialer Prozesse und Software haben wir vor allem bei der Entwicklung des Projektformats „TeenKom – Blitzjobs für junge Menschen“ gesammelt. Obwohl hier viele Prozesse wie CRM, Taskmodul, Messaging, Statistics und Invoicing durch kostenlose „Open-Source Software“ abdeckbar wären, bedarf es für jugendgerechtes Matching und eine individualisierte partizipative Auswertungskultur spezifischer Lösungen, die man als Entwickler eines Projektformats direkt mit Softwarespezialisten entwerfen muss.

TeenKom TK2-MatchingModul

Im Matching-Modul von TeenKom werden viele Kennzahlen in grafische Formen umgesetzt, um komplexe Zusammenhänge per Knopfdruck abbilden und durch Mustererkennung vergleichen zu können.

 

Kompetenzen für Konzeption, die Softwareentwickler*innen nicht haben

Die Arbeit mit Einschätzung, Ermutigung, Matching und Auswertung von großen heterogenen Gruppen von Akteuren wie bei TeenKom schärft den Blick für Softwarebedarf. Man eignet sich Kompetenzen für Konzeption an, die Softwareentwickler*innen nicht haben. Deshalb nahm ich 2018 an einem Hackathon (24 Stunden App-Entwicklung) im Rahmen der Smart-Country Convention teil, kam mit Entwickler*innen zusammen und wir gewannen mit unserer spontan gebildeten Gruppe Y-INDEX den zweiten Hauptpreis für den App-Prototyp „WirStadt“.


 

In der Digitalisierungsdebatte bedarf es einer stärkeren Positionierung der sozialen Fachleute mit ihren Bedarfen und Potentialen. Wir müssen inhaltlich und operativ orientiert gliedern und vermeiden, zu unkritisch auf Modeerscheinungen aufzuspringen. Als Anregung möchte ich fünf Aspekte der Digitalisierung ansprechen:

 

1. Digitalisierung innerhalb von Zielgruppen über E-Learning, Hilfe zur Selbsthilfe etc.

Aktuelles Dilemma: stets steigende Anforderungen an Hardware. Diese machen es z.B. schwierig, Pakete aus Open-Source Software, also frei verfügbarer und mitgestaltbarer Programme, für sozial benachteiligte Menschen zusammenzustellen. Unsere Handys können immer mehr, müssen aber immer häufiger ersetzt werden.

 

2. Digitalisierung zur Stärkung von Angeboten im Umgang mit Zielgruppen

Es gibt kaum Projekte ohne Internetseite oder Facebook-Auftritt. Ob wir damit mehr als ohnehin motivierte Zielgruppen erreichen? Gute digitale Lösungen gehen über Öffentlichkeitsarbeit und Controllingprozesse hinaus und bieten ganz konkrete Tools zur Stärkung der Partizipation und Inklusion. Noch wird dieses Potential wenig beachtet, genutzt und gefördert.

 

3. Digitalisierung zur Stärkung der Organisationsentwicklung sozialer Projekte

Um Wirkungsorientierung zu zeigen, braucht man Daten. Hier gibt es auch etliche kostenlose Produkte. Trotzdem fragen sich viele kleinere Non-Profit-Organisationen, wie sie sich digital aufstellen, den Aufwand finanzieren und ihre Chance als Spezialisten bewahren und profilieren können gegenüber großen Playern der Sozialwirtschaft.

 

4. Digitalisierung in der Entwicklung und Steuerung von Förderprogrammen

Wir sehnen uns nach effizienter Software für die Umsetzung von Förderprogrammen. Der öffentliche Sektor investiert aktuell viel in Entwicklungen wie "Big Data", "Block Chain" und "AI". Wir müssen dafür arbeiten, dass neue Technologien möglichst direkt die Zielgruppen unterstützen und sie endlich „aus einer Hand“ statt im Modus „Maßnahmenhopping“ bedient werden.

 

5. Digitalisierung zur Stärkung der fachlichen Zusammenarbeit

Hier gibt es so gut wie nichts! Nach Gremiensitzungen werden Protokolle immer noch per Email verschickt (und vergessen). Fachliche Netzwerke scheuen sich, ihre Daten großen Softwarekonzernen zu überlassen. An der Stelle arbeiten wir mit Partnern an einem Prototyp "Netzwerkgruppen.de", unter anderem mit finanzieller Unterstützung der Paritätischen Stiftung Berlin.