Innovationswerkstattt      Fachbeiträge      Film      Praxiserprobungen in Berlin

Caiju Fachbeiträge

Jobben als Grundbedarf und Grundrecht für junge Menschen ?!

Gedanken zum Stellenwert des Jobbens anhand einer Umfrage beim 16. Kinder- und Jugendhilfetag 2017, durchgeführt von Emir und Jussuf, die ersten zwei Blitzjobber in Düsseldorf

Bei Befragungen von über 50 Personen in den Tagen vor der Messe im städtischen Sozialraum sowie auf der Messe zu ihrer Arbeitserfahrungen in der Jugend zeigte sich, dass fast alle Erwachsenen in ihrer Jugend gejobbt haben. Für Jugendliche heute ist Jobben hingegen nicht länger selbstverständlich. Woran liegt das? Ist es schwerer geworden, eine Einsatzstelle zu finden? Wird Jobben durch Eltern oder Gesellschaft als weniger wichtig angesehen bzw. als potentielle Gefährdung von Leistungen in der Schule?  ...Hier geht es zum Film und Gedanken zu TeenKom als nachhaltige Lösung in diesem Themenfeld

Blitzjobs - ein Format für §16h SGB II

Ein Vortrag im Auftrag des "Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V." für eine bundesweite Tagung für Jobcenter-Leitungskräfte am 8. Nov. 2016 in Berlin

Aktuelle Herausforderungen im Jobcenter, Umsetzung des §16h (SGB II): Potentiale des lokalen Arbeitsmarktes für Aktivierung und Orientierung von U25 erschließen und nutzen. Lasst uns die mögliche Flexibilisierung von Laufzeiten und Zielsetzungen von Maßnahmen nach §16h dazu nutzen, die Perspektive von schwer erreichbare Jugendliche einzunehmen.  ...Mehr

Etablierung von „sicheren Orten“ in konkreten Situationen

Text von 2016, basierend auf einem Vortrag an der Fortbildungstagung „Jugendliche! Von demotiviert bis Autoritätsperson“ am 9. November 2015, organisiert von Caiju in Kooperation mit dem Paritätischen Landesverband Berlin e.V.

Das Konzept des „sicheren Ortes“ aus der Arbeit mit extrem benachteiligten Zielgruppen wie traumatisierten Geflüchteten und Gefangenen bietet sich an in der Arbeit mit demotivierten Jugendlichen, insbesondere für die Ausarbeitung von Eingriffen und Bildung einer Haltung zur Betreuung im Hinblick auf Beteiligung.  ...Mehr

TeenKom - ein Beispiel akupunktureller Intervention in der Jugendarbeit

Text von 2012 über die fachlichen Hintergründe des TeenKom Models

TeenKom versteht sich als ein soziales mikro-ökonomisches bzw. symbol-ökono­misches Planspiel. Mit der Betonung auf Arbeits»welt« statt Arbeits»markt« schließt sich das Projekt der wachsenden gesellschaft­lichen Forderung an, den Arbeitsbegriff aus der monetären und marktsituativen Abhän­gigkeit zu heben und in einer wertebasierten Gesellschaftsvision zu verankern.  ...Mehr

 

Fortschreibung des Masterplan Bildung für Marzahn NW 

Querschnittsanalysen im institutionellen und sozialräumlichen Bildungswesen im Jahr 2012 als Fortschreibung des „Masterplan Bildung“ aus dem Jahr 2006.

Es zeigte sich, dass die Akteur*innen nicht imstande waren bzw. es nicht als glaubwürdig empfanden, weitreichende gemeinsame Handlungspläne auszuarbeiten. Vielmehr – dies zeigten auch viele Gespräche mit Institutionsleitungen, Lehrkräften, Eltern, Schüler*innen und weiteren Bürger*innen vor Ort – bestehen strukturelle Mängel, die erst geklärt werden müssen, bevor weitreichendere Planungen auf festen Füssen stehen können.
Der Fachbeitrag in voller Länge (auch als PDF verfügbar, 29 Seiten)

 

Sozialraumorientierte Schule

Ein Impulskonzept zum Thema Duales Lernen, 2011

Die Grundhaltung des Implus-Konzepts Duales Lernen - Sozialraumorientierte Schule hat sich aufgrund von Erfahrungen aus der laufenden Projektarbeit bei Caiju entwickelt. Zielführend war hier vor allem das Projekt TeenKom und das Projekt „Roter Faden“, indem die Qualität der Übergangssysteme untersucht und exemplarisch optimiert wird. Einen Einfluss hatte auch die Arbeit mit benachteiligten Zielgruppen wie z.B. traumatisierten Flüchtlingen und Gefangenen.  ...Mehr

FASD und die sozialökonomische Effizienzsteigerung durch TeenKom

Ein Fallbeispiel aus TeenKom Berlin Spandau, 2015

Bei sozialökonomische Effizienzsteigerung durch TeenKom geht es nicht nur um den Blitzjob oder die Teilnehmer*innen, sondern um die Inklusionsqualität, welche in die verschiedenen Systeme rundum den Jugendlichen hineinwirken. Deutlich wird dies am Fallbeispiel Comi.

Der 19-jährige Blitzjobber Comi (Name geändert) hat eine .ASD Diagnose (Fetal Alcohol Spectrum Disorder, ein chronisches psychosoziales Leiden als Folge einer Alkoholkrankheit der Mutter während der Schwangerschaft), ist Halbwaise, lebt bei seinem überfordertem Vater und erhält 7 Stunden die Woche Unterstützung durch einen Einzelfallhelfer. Dieser sieht seine Hauptaufgabe darin Comi zu motivieren sein Leben wieder in die Hand zu nehmen, da er depressiv, antriebsschwach, unzugänglich und ohne Schulabschluss ist. Der Einzelfallhelfer plant für Comi zur Wideraufnahme eines geregelten Tagesablaufs eine Adipositas-Kur (Diät gegen Übergewicht) und den Umzug in eine FASD-Wohngemeinschaft. Beide Maßnahmen werden von Comi abgelehnt.

Als Blitzjobber wurde Comi zeitgleich als Experte zur Schulung von Erzieher*innen im Umgang mit einer neuen Bücher-App ausgebildet. Er hat sich dabei stets als extrem zuverlässig, engagiert und diskussionsfreudig gezeigt. Gleich bei seinem ersten Einsatz waren ungeplanter weise Kinder mit in der Schulung. Ohne zu Zögern hat Comi sie mit ins Gespräch einbezogen und ist hervorragend auf sie eingegangen. Im Nachhinein gab er preis, dass er gerne mit Kindern zusammen ist und jedes Kind ohne Probleme zum Aufräumen animieren kann.

Die Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek ist so begeistert von ihm, sodass sie ihm ein Orientierungspraktikum angeboten hat. Wenn er dies gut absolviert und sich auf feste zeitliche Strukturen einlässt steht ggf. zur Debatte ihn mit der Leitung von Kindergruppen in der Bibliothek zu betrauen. So wird der Exklusion durch Kur und Diagnose durch aktive Inklusion entgegen gewirkt.

Feedback vom Kathleen Kuhnert, Sonnenhof e.V., spezialisiert auf die Arbeit mit FASD:

„...einerseits, dass die Teilnehmer*innen von TeenKom animiert worden sind, sich auch Sachen zu trauen, die sie sich selber nicht getraut hätten und dann waren sie ganz stolz darauf. Z.B. in den Öffentlichkeitsbereich zu gehen und Flyer auszutragen, was sie sich selbst gar nicht zugetraut hätten. Und weil sie’s dann geschafft haben, sind sie mit gestärktem Selbstbewusstsein daraus hervorgegangen. Oder mit anderen zusammenarbeiten, was sie eigentlich auch nicht wollten und dann doch gemacht haben.“

Mehr über FASD unter ⇨ FASD-Zentrum Berlin
Mehr über ⇨ Sonnenhof e.V. Berlin Spandau

TeenKom - ein transferierbares Beteiligungsmodell

Text im Rahmen der Entwicklung für TeenKom Transfer nach Weißensee, 2014

Die Möglichkeit für Jugendliche auf Mitgestaltung wurde in den letzten Jahrzehnten in der Jugendarbeit explizit verankert.

Sinnvolle Mitwirkungsmöglichkeiten sind das Signal an Jugendliche, dass es in der eigenen Lebens- und Arbeitswelt notwendig und auch erstrebenswert ist, sich einzumischen. Wo Jugendliche in das Geschehen "auf Augenhöhe" eingebunden werden, eröffnen sich vielfältige Handlungs- und Lernfelder. Es entsteht ein hoher Mehrwert.

Caiju erforscht verschiedene Projekte in denen Jugendliche als gleichberechtigte Partner "mitmischen". TeenKom ist als transferierbares Modell mit zentraler Servicestelle für Software, Rechtsberatung, Coach-Schulungen und einer überregionalen Partnerakquise konzipiert. Im lokalen TeenKom-Projekt werden vorhandene Ressourcen genutzt. Es geht um Geben und Nehmen und Vereinbarungen, wobei der Coach, der/die aus öffentlichen Geldern finanzierte „SpielleiterIn“, sich als Katalysator in einer langfristigen Entwicklung versteht.

Mehr über ⇨ TeenKom Weißensee - erster TeenKom Systemtransfer
Mehr über Caijus arbeit mit Bedingungen und Möglichkeiten für ⇨ Jugendbeteiligung

Der Begriff „Inklusion“ avanciert seit geraumer Zeit zum „Zauberwort“ in der Bildungs-, Sozial-, Gesundheits- und Arbeitspolitik.

Wie verstehen wir bei Caiju „Inklusion“?

Ein Themen-Notiz entstanden 2012 im Rahmen der Konzeptentwicklung für "BerufeHaus" mit der Herausforderung, Inklusion in der Berufsorientierung für Jugendliche herzustellen.

Vor allem in dem Sinne, Bedingungen zu schaffen, unter welchen benachteiligte bzw. marginalisierte Gruppen mit bestehenden Ressourcen verbunden und auf eine Weise in soziale Verhältnisse involviert werden, dass für sie eine Befähigung zur gesellschaftlichen Teilnahme und Teilhabe entsteht. Demgegenüber darf es unseres Erachtens nicht darum gehen, dass diese Gruppen sich „zu uns“ bewegen müssen.

Um ein Missverständnis gleich zu entkräften: Es sollen natürlich nicht alle Typen von Zielgruppen sozialer Intervention pauschal bedient werden. Weiterhin setzen wir auf Eigeninitiative. Nur müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass Eigeninitiative wirklich gefördert wird und zu Selbstverantwortung wachsen kann. 

Bisher wird Eigeninitiative noch immer allzu leicht frustriert oder für bestimmte Personen verunmöglicht. Denn die herkömmlichen sozialen Leistungen und Bildungsangebote setzen ein großes Maß an Selbstorganisation, Fähigkeit zu kontinuierlicher Mitwirkung und Zielorientierung voraus.

Gerade unsere Zielgruppen benachteiligter Jugendlicher, denen die Entdeckung und Festigung ihrer Interessen große Schwierigkeiten bereitet, verfallen vor diesem Hintergrund in sich verfestigende Unmotivation. Dies führt dazu, dass Entwicklungschancen blockiert werden und auch Lehrer und Betreuer in der Rolle als Motivatoren ihre Kräfte rasch verbrauchen.

Insbesondere Berufsorientierung wirkt auf Jugendliche heute oft unverdaulich. Sie enthält für gewöhnlich ein Übermaß an Informationen, die am Geiste der Jugendliche abperlen, gerade dann, wenn nicht zur richtigen Zeit das nötige Maß an „Berufung“ bei den Jugendlichen etabliert ist. Auch an diesem Punkt meldet sich die Inklusions-Frage. Mit welcher Taktung soll Orientierung verabreicht werden und auf der Grundlage welcher Durchmischung von TeilnehmerInnen findet die Selbsterfahrung der Jugendlichen eine Basis, die einen fruchtbaren Boden für Information und Reflexion bildet?

Die Suche nach befriedigenden Antworten darauf, wie „Inklusion“ in der Berufsorientierung für Jugendliche optimal umgesetzt werden kann, steht erst am Anfang. Es werden noch Zeit und Experimente benötigt, um nachhaltigen Erfolg auf diesem Gebiet verbuchen zu können.

Mit BerufeHaus, einem Caiju-Konzept zu Stärkung arbeitsmarktrelevanter Handlungskompetenz Jugendlicher in der außerschulischen Praxis, wird einerseits versucht, die Motivation der Jugendlichen zu aktivieren, indem Komplexität in relative Überschaubarkeit umgewandelt wird. Durch das Modellhafte werden die Interessen der Jugendlichen anschaulich, durch das Habtische greifbar und besser vorstellbar. Auch wird dasjenige selbst Erarbeitete zugelassen, das noch nicht durchreflektiert ist. Neben arbeitsweltlichen Einflüssen und beruflichen Zielstellungen kann auch lebensweltlich Bedeutsames ins Zentrum rücken, um nicht zu früh definitive Antworten zu der Frage abzuverlangen: „Was willst du werden“?

Des Weiteren wurde mit dem BerufeHaus-Pilotprojekt der Versuch gewagt, SchülerInnen der 8. und 9. Klassenstufe zu den gleichen Rahmenbedingungen wie Teilnehmer eines Projekts für schuldistanzierte Jugendliche arbeiten zu lassen. Die eingangs aufgestellte Vermutung, die drei Typen von Teilnehmer/innen doch getrennt halten zu müssen, zeigte sich im Projekt schnell als überflüssig. In der entsprechenden Foto-Geschichte zum Projekt werden wir deshalb nicht verraten, welche Ergebnisse von welcher Teilnehmergruppe erarbeitet worden sind.

⇨ Mehr über das Projektsystem "BerufeHaus"

Partizipatives Casemanagement im Übergangssystem

Ein Themen-Notiz entstanden 2010 im Rahmen des Projekts "Roter Faden"

Unter dem Kurzbegriff „Übergangssystem“ verstehen wir Bildungsgänge, die unterhalb einer qualifizierten Berufsausbildung liegen bzw. zu keinem anerkannten Ausbildungsabschluss führen, sondern auf eine Verbesserung der individuellen Kompetenzen von Jugendlichen zur Aufnahme einer Ausbildung oder Beschäftigung abzielen und zum Teil das Nachholen eines allgemeinbildenen Schulabschlusses ermöglichen.

Die Gründe für den ausbleibenden Anschluss an die Arbeitswelt sind vielfältig – und so unterschiedlich sind auch die Maßnahmetypen und die gesamte Förderstruktur.

Kernproblem: Jugendliche stehen im Übergangssystem einem Maßnahme- und Angebotsdschungel gegenüber. Es fehlt ein für und mit ihnen persönlich angelegter Roter Faden.

Nach Besuch eines Programms folgt häufig kein weiteres, das in Abstimmung zu dem bereits Erreichten im ersten Programm steht. Zwar versuchen einzelne Angebote möglichst individuelle Konzepte und Verläufe zu organisieren, sind aber hinsichtlich der zu investierenden Zeit und des Informationsstandes maßlos überfordert.

Das „Rad“ wird so in jeder Maßnahme neu erfunden und nicht kontinuierlich optimiert. Informationsportale scheinen in den letzten Jahren die versuchte Antwort darauf zu sein. Jedoch wird zunehmend festgestellt, dass Information allein – vor allem verborgen in schlecht gepflegten Internet-Datenbanken – nicht den aktuellen Bedarf bedienen kann. In Anbetracht dessen zeigt sich, dass eine Regelförderung von Programmen zwar eine gewisse Kontinuität und somit Übersichtlichkeit hervorbringt, dem Problem des Transfers hinsichtlich ihrer Passgenauigkeit untereinander aber nicht entgegenwirkt. Je nach Maßnahme und persönlicher „Schieflage“ werden sukzessiv viele unterschiedliche Profilings mit unterschiedlichen Zielkriterien (Jobcenter, Jugendamt, VBO etc.) durchgeführt. Der Betroffene entwickelt so völlig ungewollt, aber in der Sache nicht verwunderlich, einen fremdgesteuerten, gespaltenen und passiven Status.

Unter dem Arbeitstitel "Partizipatives Roter Faden Management" versucht Caiju mit der Projektplattform Roter Faden, diese Profilings von Jugendlichen zielgruppenorientiert und vor allem zielgruppenbasiert anzulegen. Dabei sollen nicht die Probleme, sondern die Potenziale der Zielgruppen herausgearbeitet werden. Letzlich ist dies die Konsequenz einer Sozialraumorientierung: Ressourcen entdecken, aktivieren und verankern. In bestimmten Ansätzen ist dies heute zwar theoretisch angelegt, aber praktisch kaum umgesetzt.

⇨ Roter Faden Filme
⇨ Ansatz im Praxis: Siehe div. Filme auf Caijus TeenKom Kanal

Beteiligung mit mikroökonomischen Mitteln

Grundsätze formuliert 2009 im Rahmen der Konzeption für "Stadtteil-bewegt"

Aus der Arbeit mit Asyl suchenden, traumatisierten Flüchtlingen gibt es den Ansatz, dass es auch traumatisierend ist, nur empfangen und nichts geben zu dürfen! Geld für das Überleben zwar zu bekommen aber kein Recht zu haben, arbeiten zu dürfen und damit nicht Teilnehmer*in im volkswirtschaftlichen Wertschöpfungs- und Wertschätzungskreislauf zu sein.

Der Status, nur empfangen und nichts geben zu dürfen, lässt sich auch auf Benachteiligte, ob durch Arbeitslosigkeit, soziale Vererbung, psychosoziale oder gesundheitliche Umstände übertragen. Um Partizipation zu ermöglichen, braucht es also keine Angebote, die als "Geschenk" angetragen werden oder Angebote, die zwanghaft auferlegt sind. Nehmen und Geben, Vereinbarungen statt Pflichten oder "Almosen" kann ein Motor für Engagement in der eigenen Lebenswelt sein.

Mikroökonomische Anreize statt sympathiebedürftige Appelle zur Freiwilligkeit

Es geht also um Vereinbarungen, die auf Augenhöhe ausgehandelt werden. Denn nur so können sich "Hilfsangebote" und "Benachteiligte" als Partner begreifen und sich durch gegenseitiges Feedback und Erinnerungen helfen, den "inneren Schweinehund" zu überwinden. Diese Zweckbeziehungen, also Vereinbarungen zwischen Menschen, die nicht auf Sympathie sondern auf gegenseitigen Vorteilen basieren – in ihrer einfachsten Form auf Geld - können nur durch gegenseitigen Respekt und mit gemeinsamen „Spielregeln“ langfristig immer wieder belebt werden.

⇨ Mehr über "Stadtteil-bewegt" (2009-2011)

Software für soziale Prozesse

Ein Themen-Notiz entstanden 2009 im Rahmen der Entwicklung der TeenKom Software

Technik kann für uns nicht die Aufgabe übernehmen, unsere Rollen und Beziehungen in sozialen Prozessen festzulegen, kontinuierlich zu hinterfragen und zu optimieren. Gerade wenn Menschen engagiert sind, sind sie vom Wunsch erfüllt, etwas mehr zu tun als das, was sich aus der aktuellen Rolle ergibt.

Daniel Roob, Leiter von Caijus Softwarepartner Stadtmonster fasst zusammen:

"Die Herausforderung an eine Software zum Management sozialer Prozesse ergibt sich größtenteils aus der Heterogenität der Teilnehmerschaft und der damit verbundenen Anzahl einzubeziehender Faktoren sowie deren Bewertung aus Sicht der Akteure. Systemübergreifend ist eine Einbeziehung der Kommunikationskanäle aller TeilnehmerInnen notwendig. Ein Jugendlicher, der über keinen Internetanschluß verfügt, darf von einer internetbasierten Software nicht benachteiligt werden. Um die Menschen fair und entsprechend ihrer Ressourcen zu behandeln, ist eine Kombination von absoluter Diskretion und Transparenz, von Multiplikation und unterstützender Hierarchie nötig. Daten müssen flexibel eingegeben und trotzdem verglichen, überprüft und unter den implizierten TeilnehmerInnen diskutiert werden können, ohne die Würde und die Teilhabe zu gefährden."

Für alle Caiju Projekte ist Softwareentwicklung bzw. Überlegungen betr. entsprechende Potentiale ein integraler Bestandteil der Konzeption. Die Szenarien sind komplex und erfordern eine Begleitung der Prozesse durch eine für den Kontext programmierte Administrationssoftware, die - um die Mobilität der Teilnehmer und Coaches zu unterstützen - konsequent internetbasiert ist.

Die wichtigsten Merkmale bei Software für soziale Prozesse:

  • Mit einem differenzierten Rechtesystem werden zugleich stadtteilweit Potenziale miteinander verknüpft und ein Höchstmaß an Datenschutz gewährleistet. Vom leitenden Coach-Team ausgehend haben Multiplikatoren nur auf Daten Zugriff, die von den Zielpersonen freiwillig zur Verfügung gestellt wurden. Ein implizites System von begleitenden Kommentaren wird immer nur im Einzelfall für den Zugriff durch Multiplikatoren bestimmt. Damit wird die Verantwortlichkeit möglichst passgenau von den professionellen Coaches an engagierte BürgerInnen übertragen.
  • Durch ein erweiterbares Kategorien-System wird Partizipation und Eigeninitiative schon ab den ersten informellen Schritten methodisch unterstützt. Mit der Stadtteil Bewegt Community Administration Monitoring Software (CAM) werden – anders als bei herkömmlichen Monitoring-Systemen bspw. bei Behörden - unvorhersehbare Hürden und Schwankungen antizipiert. Der Kontaktstand der einzelnen Fälle hat in CAM Platz für viele „Grauzonen“, wobei die Zuständigkeit unter den Coaches und Multiplikatoren immer eindeutig platziert wird und kontinuierlich, entsprechend der vorhandenen Ressourcen, verändert werden kann.
  • In sozialen Prozessen werden mögliche Synergien zwischen Projekten in verschiedenen Sektoren oft nicht erkannt bzw. wegen großer organisatorischer Hürden nicht versucht. Mit CAM ermöglicht ein bei allen Entwicklungen eingebauter Bedarfs/ Ressourcen-Spiegel schnelle Verknüpfungen zwischen gemeinnützigen und marktorientierten Szenarien. 

⇨ Mehr über "Stadtteil-bewegt" (2009-2011)
⇨ Mehr über Caijus Softwareprojekt "netzwerkgruppen.de" (seit 2013)