Hallo Eltern (Ausschnitt)
 

Innovationswerkstatt > Berlin >

Zusammenfassung

Der Rote Faden

Helfende Systeme in unserem Sozialstaat scheinen oft mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, als mit den Möglichkeiten ihrer Zielgruppen, einen roten Faden über längere Zeit bilden und umsetzen zu können für sich. Warum ist das so? Caiju entspringt aus der Entwicklung von Verfahren für junge Menschen und arbeitet seit ca. 2010 mit zukunftsorientierten Lösungen wie TeenKom. Inzwischen haben wir bei Caiju erkannt, dass die größte Herausforderungen für mehr Chancengleichheit und eine bessere Arbeitsweltintegration junger Menschen nicht bei den Jugendlichen selbst, sondern bei den Fachleuten und deren Interventions-, Vernetzungs- und Abstimmungsmöglichkeiten liegen. Caijus Arbeit mit diesem Thema und dessen Vorläufer sind die Grundthemen dieser Seite.


Als Vielfalt zu Wildwuchs wurde

Die Grundidee ist recht simpel: Wir haben einen Staat, der (im europäischen Modell) sich dazu verpflichtet, allen Menschen den Zugang zu Gesundheit und Bildung zu ermöglichen, sodass wir alle körperlich und geistig fit genug sind, in unserer individuellen Art die Gesellschaft mittragen zu können. Dafür werden Rechtsansprüche für die Langfristigkeit und Förderprogramme für die kontinuierliche Ergänzung, Optimierung und Innovation eingesetzt. Die Last wird zwischen der EU, dem Bund, den Ländern, Landkreisen, Kommunen und Gemeinden verteilt, private Stiftungen, Verbände und zivilgesellschaftliche Akteure mischen mit und viele Leistungen werden an freie Träger übertragen, die wiederum ihre Kooperationspartner finden. Entstanden ist dabei ein Markt, der soziale Interessens- und Geschäftsfelder, der alles andere als simpel sind!

Es war sicher nicht so gewollt, aber gerade durch die Verteilung der Aufgaben auf möglichst viele Schultern ist eine - auch für die meisten Fachleute - undurchschaubare Vielfalt wie ein Wildwuchs entstanden, die spätestens dann ihre kontraproduktive und deshalb auch viel zu kostspieligen Auswirkungen zeigt, wenn junge Menschen von Hilfeinstanz zu Hilfeinstanz unkoordiniert hüpfen müssen, ohne dass die einzelnen Fachleute langfristige Strategien umsetzen können. 

Bereits im Rahmen von Caijus Vorläuferprojekt ArtSourceLab wurden Gründer Per Traasdahl und seine Mitstreiter*innen auf diese Problematik aufmerksam. Jedoch erst mit der Caiju-Vereinsgründung 2009 entstand eine handlungsfähige Struktur, mit der konkrete Initiativen für die Hinterfragung, Entzahnung und fachliche Vertiefung in der Praxis mit Hinblick auf zielgruppennahe, kommunale und netzwerkbasierte Kooperation und gemeinsame Standards gestartet werden konnten.

 

⇧ Nach oben

Innovationswerkstatt > Berlin > Der rote Faden > Zusammenfassung >

ArtSourceLab ab 2001

ArtSourceLab Header-Fotos

Aus einer Kunststrategie entwickelt sich eine Plattform für sozialstaatliche Innovation

Als der Dänische Künstler Per Traasdahl 2001 nach Berlin zog und ArtSourceLab - das "Kunst-Quelle-Labor" gründete, war die Intension weder, explizit mit Jugendlichen zu arbeiten noch sich fachpolitisch mit entsprechende Berufsgruppen zu beschäftigen. Vielmehr stand das Potential im Vordergrund, was Künstler*innen gesellschaftlich bewirken können.<kpt>

1993 zog Traasdahl in den Raum Zürich, Schweiz. In den mid-neunzigern folgten internationale Ausstellungen, außerdem sammelte er die ersten Erfahrungen in der Arbeit mit Flüchtlingskindern- und Jugendlichen aus dem Kosovo (Schweiz, 1999). Die entscheidende Zielstellung für ArtSourceLab entstand 2002 als Traasdahl an dem bundesweiten Kongress ⇨ ConSozial in Nürnberg teilnahm. Hier wurden ihm zwei Dinge klar:

  • Das "Produkt" der Sozialwirtschaft, von Management bis Betreuer*innen, ist schließlich der Mensch. Um so erstaunlicher ist es, wie wenig bzw. schüchtern, regelorientiert, unspielerisch und somit unkreativ mit Wissen und Methoden umgegangen wird. 2002 war das "QM" (Qualitätsmanagement) der große Aufhänger, leider aber auch ohne spielerischen und widersprüchlichen Umgang vieler Terminologien. Hier gab es für die Haltung des Künstlers, sich eher auf rätselhafte Fragen als auf feste Definitionen einzulassen, viel zu tun.

  • Während - aus Perspektive des Künstlers - die Sozialwirtschaft unkreativ vorkommen kann, steht fest, dass nur ein einziger Akteur für breite Chancengleichheit sorgen kann. Der Staat mit seinen Leistungserbringer*innen und ihrem Zugriff auf Steuergelder. Alle anderen Akteure, bis hin zu den größten Stiftungen, können nur punktuell für besondere Zielgruppen in besonderen Sozialräumen agieren. Zu komplex und fachlich anspruchsvoll sind die Aufgaben, um zentrale Leistungen durch Netze von Freiwilligen erbringen zu lassen. Somit geht eine Weiterentwicklung des Sozialstaates nicht ohne den Staat als zentralen Akteur zu sehen.  

Somit wurde ArtSourceLabs und ab 2009 auch Caijus Zielstellung für die Zukunft definiert:

Die Aufgabe ist es, dem Staat und seinen Leistungserbringer*innen dazu zu verhelfen, selber kreativer und spielerischer an ihre Methoden- und Strategieentwicklung heran zu gehen, um der rätselhaften und oft widersprüchlichen Natur ihre Zielgruppen - die Menschen - besser zu verstehen und mit Ihnen umgehen zu können.


Im Rahmen von ArtSourceLab wurden Aktivitäten in vielen Richtungen lanciert. Nachdem ⇨ das erste TeenKom Konzept im Herbst 2002 entstanden war und auf Anhieb den 1.Innovationspreis gewann, wurden diese unterschiedlich Ansätze in Fachmilieus vorgestellt. Zu den interdisziplinären Ansätzen trugen die Erfahrungen aus der Arbeit mit Jugendlichen im Berliner Brennpunkt Neukölln Gropiusstadt bei, außerdem die Arbeit mit Kriegsflüchtlingen sowie die Erfahrungen im Rahmen des Projekts ⇨ 1001 Türen mit Gefangenen (2002), aber auch die Arbeit in Berliner Schulen (2006). Der Fokus von ArtSourceLab wurde stets auf die Erforschung von Balance zwischen den Akteuren in Zielszenarien und die Haltung der Akteure welche „Intervention“ praktizierten gesetzt. Erst nach der Gründung von Caiju e.V. 2009 sollte sich der Fokus erweitern und die fachliche Kompetenz sowie den Abstimmungsbedarf der konventionellen Berufsgruppen der Bildungs- und Jugendarbeit umfassen.

Interventionshaltung zwischen individueller Psyche und Stadtentwicklung

ArtSourceLabs Arbeit mit Interventionshaltung im Rahmen öffentlicher Systeme sollte sich absichtlich nicht auf einzelne Richtungen begrenzen, weil es aus der Quereinsteigerperspektive der Kunst, offensichtlich war, dass gerade Querbezüge zwischen verschiedenen Wissenswelten entscheidende Schlüssel für einzelne Gebiete herbeiführen kann. ArtSourceLab trat somit als Neuling in einer Reihe von internationalen Kongressen auf und schaffte es, Perspektiven einzubringen, die auch für Spitzenforscher*innen eine Bereicherung war. Dem Künster Per Trasdaal assistierten hierbei Student*innen unterschiedlicher Studienrichtungen. Es erschien ArtSourceLab als notwendiger Vorgang, sich auf die maximale Spanne menschlicher Kreativität zu beziehen, die zwischen der individuellen Psyche und den Handlungsszenarien der Stadtentwicklung. 

Beispielhaft für ArtSourceLabs Arbeit sollen hier bloß zwei Ansätze erwähnt werden: Das virtuelle Interventionsdesign "Community Fairways" sowie das Modell "The Dynamic Of The Mind Inside And Outside The Now".

Mehr Details über die Arbeit von ArtSourceLab sowie deren mitwirkenden Personen zwischen Theorie und Praxis kann unter ⇨ Die Geschichte hinter Caiju sowie unter ⇨ www.artsourcelab.net (Englisch) erfahren werden.

ArtSourceLab Logo

Community Fairways

Ein Beitrag zum Programm "Shrinking Cities" 2004

Zwei zentrale Ansätze wurden hier für alle zukünftigen Praxisprojekte von Caiju e.V. ausgearbeitet:

  • Die Gliederung von "Communities" in "Orts-basiert" und "Interessens-basiert". Diese von ArtSourceLab vorgeschlagene Gliederung war auch für internationale Forscher*innen eine Neuigkeit.
  • Das Paradox, dass der moderne Rechtsstaat Fairness als zentrales Regelungsprinzip ungewollt unterdrückt, was widerum entgegnet wird ist der Aufbau von Communities (siehe Kursiv-Text unten). 

Community FairWays  Poster "Community Fairways", 2004. Auf die Abbildung klicken um ein PDF in lesbare Größe zu öffnen, 3,8 Mb

Mit "cfw ToolSet" vollzog ArtSourceLab eine systematische Gliederung der Handlungsinstrumente für eine gedachte soziale Intervention (soziale Prozesse im Kontext schrumpfender Stadtteile in Halle an der Saale). Bemerkenswert ist, dass vor Projektbeginn 4 Instrumente aktiviert werden sollten (Launch) - 2 Instrumente für die Implementierung, geparrt mit 2 Instrumenten die in der Fiktion verankert und Zeitflexibel sind ("Relative time-spans constituted through fiction"). </kpt>

Hier folgt die Einführung im Orinigaltext: 

Whether we think of communities as location-based or interest-based, their potential and strength originate in balances of fairness. Fairness is always case-specific and relative to individual interpretations. In the absolute language of law intended to sustain fairness these qualities are typically lost. Consequently although involuntarily modern democratic societies repress the values of fairness. Communities - which in this sense could be any formal or informal, for-profit or non-profit circle of individuals and organizations with shared interests - have the immanent interest to self-organize legally, economically and psychosocially, so to enhance their legal position in fair ways, with a mental and social credibility which we can call a fairness-based constitution.

The Dynamic Of The Mind Inside And Outside The Now

Das Modell wurde als Teil des Vortrags The Origin, Objectives And Action Frames Of Art In The Psychosocial Place (siehe Film unten) für die VIII. European Conference on Traumatic Stress, Berlin 2003, entwickelt. Es nutzt das etablierte Konzept "Safe Place" aus der Traumaforschung, um anhand der Interrelationen von Zeit, Handlung, Assoziation und Dissoziation, die konstitutive Gliederungen unserer Psyche im "Jetzt" und "außerhalb des Jetzt" nachzuvollziehen. Eine entscheidende Erkenntnis, welche allen Praxisansätzen von Caiju zugrunde liegt, ist die häufige Notwendigkeit, auf anderen Ebenen als im zentralen Problemgebiet intervenieren zu müssen, weil dieses sozusagen nicht ansprechbar ist. Sozialarbeiter*innen und andere Berufsgruppen die mit Menschen arbeiten, wissen dies zwar oft, selten haben sie aber ein systematisches Instrumentarium, um ein Grundgerüst mit Argumentationen zu entwickeln, weshalb dies so ist. Mit dem Modell "The Dynamic Of The Mind Inside And Outside The Now" werden Schritt für Schritt mögliche Interventionsbereiche und deren Abhängigkeit von anderen Bereichen identifiziert.

Das Modell liefert die Grundlagen für die von Caiju geprägte "Akupunkturelle Intervention" sowie das Coaching-Verständnis als "Katalysator", was u.a. zum Methodenbereich "Telefon-Coaching" geführt hat. Zu Praxisanwendung, siehe Fachbeitrag ⇨ TeenKom - ein Beispiel akupunktureller Intervention in der Jugendarbeit.

Weiter dient das Modell einer Grundlagendiskussion betreffend der Handlungsmöglichkeiten für Menschen allgemein und insbesonere für Menschen mit Inklusionsbedarf. 

Im Modell fundiert sich Caijus Kritik an der vorherrschenden traditionellen Annahme der Sozialarbeit, welche besagt, dass eine persönliche Beziehung aufgebaut werden muss, bevor Vertrauen möglich ist. Aus Perspektive der "Katalysator"-Rolle ist Vertrauen hingegen vielmehr eine Frage der individuellen, mehr oder weniger bewussten Klarheit über die eigene Rolle in einer zeitlichen Perspektive bei der Interaktion von Selbstgefühl ("Ich"), Selbsteinschätzung ("Mich") und alles außerhalb einem selbst ("World"). Anhand des Modells wird plausibel, wie diese grundlegenden Interaktionen in unserer Psyche instabil (und nicht stabil) sein müssen um balancierte, gesunde, psychische Zustände hervorzurufen. Ein Paradox, welches beispielsweise analog zur biochemischen Instabilität ist, die auf der Zellenebene die Voraussetzung für ein balancierten gesunden Körper ist oder die Instabilität auf atomarer Ebene, welche stabile Stoffe voraussetzen.

The Dynamic Of The Mind Inside And Outside The Now

Der schrittweise Argumentation, was zum Modell führt sind im Rahmen der als Film umgesetzte Vortrag The Origin, Objectives And Action Frames Of Art In The Psychosocial Place zu sehen (siehe oben).

Hier die Zusammenfassung der begleitende Text zur oben gezeigten Folie der Modellpräsentation:

In the not-Now - the Then of dissociation, the exchange in the interfaces will be dominated by the stigmatized "I". You will have no resources to form or sustain a self-conception and not enough faith and Will to gain social awareness. You will either leave those areas ambiguously fragmented or let them become subject to forced ideologies, role models or other topics imitating confidence.

This systematic model makes it clear, how complicated it is to change a negative trend of dissociation. However, as all the six perspectives inside and outside the Now of a dissociated state are complementary, amplifying each other- like the highs and depressions of weather-systems -, a positive trend initiated anywhere can have decisive effect on the whole system.

The growth of continuity in the "I" of the dissociated Now (middle position of the upper left frame) is the position, where healing must finally arrive and show, but - as we know - a very delicate matter, which often will actualize the suffering when addressed directly. So the intervention of help must primarilly focus in any of the five other positions.

While doing so, the point is not to consider individual and mental healing as primary to a social integration but to understand the way healthy dynamics are instable - like seen here in the associating state, where the "I" outside the Now as well as the "Me" and the "World" inside the Now are naturally fragmented. Actions of political or otherwise social or economical kind are consequently equally valid as vehicles to progress health as individual therapeutic work.

 

⇧ Nach oben

Innovationswerkstatt > Berlin > Der rote Faden > Zusammenfassung >

Caiju Innovationswerkstatt

Seit 2009: Die Quereinsteigerperspektiven stück für stück durch fachliche Besonderheiten verkörpert

Mit der Gründung von Caiju e.V. im Herbst 2009 wurde eine neue Epoche der Arbeit eingeleitet. Die praktische Arbeit mit Jugendlichen kann bei weitem nicht die bis dahin bestehenden Spanne von Ansätzen in ArtSourceLab aufnehmen. Vielmehr war es das Anliegen, mit der Gründung eines Vereins, für Chancengleichheit und Arbeitsweltintegration Jugendlicher den Versuch zu starten:

Jetzt nehmen wir unseren innovativsten Ansatz für die Mainstream-Gesellschaft und versuchen die wertvollen Erkenntnisse aus der extremen Benachteiligung (Arbeit mit Gefangenen, Kriegsflüchtlingen) dort einzubauen. 

In den vergangenen Jahren ist klar geworden, dass eine verheerende Schieflage besteht, hinsichtlich der Verfügbarkeit von Zeit und Zeit für vertiefte Fachlichkeit. Je weiter man gesellschaftlich abgesondert wird, je mehr Ressourcen und besser gebildetes Fachpersonal, mit Zeit für Reflexion, stehen zur Verfügung. Dagegen sind die Mainstream-Milieus, wo sich über 90% der Bevölkerung befindet, mit Know-How und sinnvollen Methoden unterversorgt. Kein Wunder, dass am laufenden Band neue Problemfälle produziert werden, wenn sich zum Einen, die Lehrkräfte in Schulen überfordert fühlen und zum Anderen, oft psychosozial fundierte Handlungsstrategien in der Jugendarbeit fehlen. Grund hierfür ist auch, dass eine explizite Finanzierung dazu nicht stattfindet, während das nötige Know-How in abgesonderten Zonen nur mit Einzelfällen und nicht mit Gesamtszenarien handeln kann.

ArtSourceLab prägte die Bezeichnung "Psychosoziales Mainstreaming" im Jahr 2002. Es steht für eine nötige Umkehr im Denken. Heutzutage ist hierfür der Begriff "Inklusion" gebräuchlich. 

Der Caiju Verein wurde mit dem Ziel gegründet, eine Know-How-Balance zwischen Mainstream-Szenarien und den abgesonderten Szenarien für extrem benachteiligte Menschen anzustreben, um diesen mehr Handlungskraft zu geben. Die Vereinssatzung wurde an TeenKom maßgeschneidert. Fortan sollten alle Handlungsansätze aus dieser Kern entspringen.

Indem neben des klassischen Vereinsformates auch von einem Caiju Innovationswerkstatt die Rede ist, können die weit breiteren, wissensfelderübergreifenden Anliegen und die experimentelle Arbeitsform von ArtSourceLab hintergründig weitergeführt werden. 

Anhand einer gemeinnützigen Körperschaftsstruktur waren die Mitstreiter*innen um ArtSourceLab nicht länger auf andere Organisationen angewiesen um Zielgruppen zu erreichen und mit diesen zu arbeiten. Jetzt wurden neue Ansätze im Rahmen des Innovationswerkstatt entwickelt, diese darauf hin im Rahmen des Vereins mit größeren Zielgruppen erprobt und für eine nachhaltige Praxis optimiert (Siehe ⇨ Caiju Organigramm) . Caiju rückte somit ganz nah an die Arbeit diverser Fachgruppen und deren Berufsverständnis heran. Oft bedeutete dies eine steile Lernkurve, in der es jedoch auch immer wieder vorkommt, dass man zwei visionäre Schritte zurücktreten muss um ein reale Schritt unter Fachkollegen betreten zu können.

Caijus Fachbeiträge sind geprägt von Verflechtungen herkömmlicher Terminologien mit einem Gedankengut, welches keinem einzelnen Wissensbereich zugehörig ist und deshalb auch keine Relevanz durch einen wissenschaftlichen Unterbau suchen, sondern einzig durch Praxisrelevanz überzeugen wollen.

Der "Roter Faden" wurde 2010 als eine Entwicklung der Caiju Innovationswerkstatt in den zwei Berliner Bezirken Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick eingerichtet, um den Übergang von der Schule zum Beruf - kurz "Übergangssystem" - exemplarisch zu untersuchen und entsprechende Möglichkeiten zur Optimierung aufzudecken.

Wie in der Themen-Notiz ⇨ Partizipatives Casemanagement im Übergangssystem ausgeführt, wollte Caiju sich dabei einem komplizierten Problemgebiet widmen, welches keine einfachen Lösungen bietet. Unterschiedliche Gesetzesgrundlagen und Förderlogiken bei implizierten Verwaltungen (Schulen, Jobcenter, Jugendamt, Maßnahmeträger etc.) und die vielfältigen Gründe für unausreichende Ausbildungsreife von Jugendlichen schaffen ein Szenario mit unzähligen Variablen.

Um größtmögliche Praxisnähe zu erreichen, setzte Caiju bei dem Projekt Roter Faden aus zwei unterschiedlichen Perspektiven an: 

  • zum einen wurden die konkreten Herausforderungen und Hindernisse in der täglichen Arbeit der Träger und Verwaltungen wahrgenommen und analysiert, 
  • zum anderen die Perspektiven aus Sicht Jugendlicher durch ihre direkte Mitarbeit und modellhafte Analysen vergegenwärtigt.

Nach einer Analyse der Ausgangslage, die dezentral gemeinsam mit den MitarbeiterInnen der teilnehmenden Ämter und Institutionen durchgeführt wurde, sollten anhand wünschenswert erkannten Ansätzen die Voraussetzungen für ein partizipatives Casemanagement herausgearbeitet und erste Schritte in der Praxis gegangen werden. 

Hoch experimenteller Praxiskontext, eine Flut an Innovation

Caiju konnte mit dem Projekt "Roter Faden" einen hoch experimentellen Kontext anlegen. Dies ergab optimale Gelegenheiten, verschiedene innovative aber auch spekulative Konzeptionen aus den Jahren mit ArtSourceLab (ab 2001) für die Praxis zu konkretisieren und daraufhin direkt mit Zielgruppen zu testen. In dieser Kreuzung vertiefter Theorie und machbarer Praxis entstanden Verfahren und Konzepte, die neue methodische Maßstäbe in Caijus zukunftige Arbeit setzen sollten. Dazu gehörten das vielfach erfolgreich eingesetzte ⇨ >BeratungsSpiel sowie ein Clearing- und Zielsetzungsverfahren, im Rahmen des Projekts ⇨ Stadtteil-Pilot welches drei Jahren nach Meine 100%, weiterentwickelt wurde.

BeratungsSpiel

Weiter entstanden Konzepte wie die "Akupunkturelle Intervention" und "Gedächtnisperlen" (siehe Fachbeitrag ⇨ TeenKom - ein Beispiel akupunktureller Intervention in der Jugendarbeit), die fortan für alle Caiju Projekte eine zentrale Rolle einnahmen. Außerdem konnten Grundlagen für Softwareentwicklungen für den TeenKom Betrieb vertieft werden sowie ein Online-Instrument zum Vernetzungsmanagement entwickelt werden, welches 2013 erstmals unter der Arbeitstitel⇨ PFAD pilotisiert wurde. Seit 2015 wurde dieses unter dem Namen ⇨ netzwerkgruppen.de für die Verbreitung vorbereitet, u.a. mit einer Förderung durch die Stiftung des Paritätischen Wohlfahrtverbandes.

Partizipative Frühwarnsysteme für den Übergang Schule-Beruf

Als Teilprojekt in "Roter Faden" wurde Caiju e.V. vom Jugendamt Marzahn-Hellersdorf beauftragt, eine Neukonzeption regionaler Beratungsstellen und bezirklicher Kompetenzagenturen zu coachen. </kpt> <edix> Die zentrale Perspektive war die Erstellung eines partizipativen Frühwarnsystems für den Übergang Schule-Beruf. Caiju schlug dabei ein "Casemanagement Light" (CML) im Sinne einer lösungsorientierte schnellagierende auf sozialräumliche Optionen fokusierende Unterstützungsform in dynamische Komplementarität zu den herkömmlichen problemorientierten tiefergehende Casemanagement (CM).</edix>


ProzessSystem Beratung

Modell für das Zusammenwirken der regionaler Beratungsstellen und dem bezirklicher Kompetenzagentur. Während der Gesamtmodell nicht umgesetzt wurde diente die Ergebnisse als Inspiration und Handlungsempfehlung in den zuständigen Gremien. 

Roter Faden Filme

Mit illustrierten Filmpräsentationen wurden zielgruppenspezifische Analysen von Problemlagen und Lösungsansätzen erarbeitet und filmisch umgesetzt.

Hier klicken für Filmansicht an kleinere Geräte


Roter Faden - Teilprojekt TK-1, 2010

Miteinbeziehung betroffener Jugendlicher als Experten bei der Entwicklung eines partizipativen Casemanagements im Übergangssystem

Kapitel 1: Übergangssystem einfach gedacht
Kapitel 2: Übergangssystem Ist-Zustand
- Übergangssystem als Puzzle von Maßnahmen
- Übergangssystem als Gegebenheit
Kapitel 3: Der Rote Faden
- Expertise der Wahrnehmung im Übergangssystem
- Lebenslauforientierte Maßnahmenentwicklung
Kapitel 4: Mitwirkung von Jugendliche
- Zentrale Fragestellungen

Roter Faden - Teilprojekt MH-1

Sozialraumorientertes Zusammenwirken der regionalen Beratungsstellen und der bezirklichen Kompetenzagentur

Kapitel 1: Problemanalyse
- Arbeitsgliederung
- Externe & Interne Handlungsräume
- Überblick der Beratungslandschaft
Kapitel 2: Lösungsansätze
- Sozialraumorientierte Beratungslandschaft
- Voraussetzung der Verbindlichkeits- und motivationsfördernde Beratung
- Lösungsansätze der Verbindlichkeits- & motivationsfördernde Beratung
- Übersicht: Herausforderungen der Konzeption

Roter Faden, Teilprojekt MH-2, 2010

Institutionelle Jahresprogramme für Schulverweigerer im Übergang Schule-Beruf

Kapitel 1: Ursachenanalyse
- Schulverweigerung hat zahllose Gründe
- Schulverweigerung institutionell behandelt
- Die Natur der unergründlichen Vielfalt
- Die relative Anpassung des Funktionstüchtigen
- Der „sichere Ort" des Schulverweigerers
Kapitel 2: Planungsansätze, Akupunkturelle Interventionen - Akupunkturelle Interventionen
- Gliederung von Handlungszellen und Ganztagsprogramm

Nachhaltigkeit

Im offiziellen Projektblatt wurde die Nachhaltigkeit folgendermaßen charakterisiert:

Ein sektoren- und trägerübergreifendes, partizipatives Case Management wird die Voraussetzung für einen Perspektivwechsel hin zu einer teilnehmeraktiven und erfahrungsbasierten Berufswegeplanung sein. Erst wenn den Jugendlichen frühzeitig die "Autorenschaft" ihres Werdegangs ermöglicht wird, können mehr Transparenz und Effizienz in den Übergangssystemen, der Berufsorientierung und den neuen Schulstrukturen durch die Jugendlichen selbst und für sie realisiert werden. Diese Entwicklung kann nur erfolgreich verlaufen, wenn alle beteiligten Fach-Systeme einen Anreiz sehen bzw. haben, aktiv teilzunehmen. Um einen verstärkten Handlungsanreiz herbeizuführen, braucht es Instrumente, die kontinuierlich den Bedarf an Teilnahme seitens der Zielgruppen unter Beweiß stellt. An solchen Instrumenten arbeitet Caiju e.V. seit Jahren. Das "BeratungsSpiel", das im Rahmen von Roter Faden entwickelt wurde, ist Beispiel eines solchen Instuments.

Roter Faden wurde 2010 als Pilotprojekt im Rahmen der Aktionspläne der Bezirkliche Bündnisse für Wirtschaft und Arbeit in den zwei Berliner Bezirken Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf (Förderinstrument Lokales Soziales Kapital, LSK) durchgeführt. 

           
 

⇧ Nach oben

Innovationswerkstatt > Berlin > Der rote Faden > Zusammenfassung >

Methodenkoffer zur Partizipation

Statt auf Hilfe zu warten, wird es Jugendlichen ermöglicht, selbstwirksam ihr eigene Situation präventiv zu klären

<edix> Erfahrungen aus der Arbeit mit marginalisierten Zielgruppen und den theoretischen Entwicklungen in den ersten Jahren, im Rahmen von ArtSourceLab ab 2001, die Praxisarbeit mit Mainstreamgruppen von Schüler*innen ab 2006 (Projekt ⇨ Stärken stärken im Auftrag von Bildungscent e.V.) und mit einer stets wachsenden Zahl an Jugendlichen im außerschulischen Kontext ab 2008 bis hin zu hunderten von Teilnehmer*innen in TeenKom (war in vier Berliner Bezirken aktiv) hatte Caiju um das Jahr 2011 - nach ergebnisreichen Forschungen von Mechanismen der Beteiligung in ⇨ Stadtteil bewegt 2009-2011 und Roter Faden 2010 - ein Grundgerüst für Beteiligungsprozesse etabliert.</edix> <kpt>

Die meisten Projekte scheitern an der Stelle, an der man mehr junge Menschen erreichen will als die "ohnehin motivierten". Caiju hat Instrumente und Methoden parat, die einen radikalen Perspektivenwechsel herbeiführen.

Anhand der ⇨ TeenKom Blitzjobverfahren war ein Prinzip der Deal-basierten Partizipation etabliert, wonach das Mitwirken Jugendlicher nicht als "Angebot" sondern als Anlass für "Mitproduktion" verstanden, umgesetzt und auch bezahlt wurde. Diese transparente wertschätzende Inklusion war ein klarer Anreiz für junge Menschen und es konnten stets neue Projektformate mit niederschwelligen Zugängen von Jugendlichen sichergestellt werden. Dies war möglich ohne auf Schulen, Jugendklubs oder anderen institutionellen Anbindungen angewiesen zu sein. Zu den Projektformaten gehören ⇨ Das Blumenprojekt⇨ KiezExperten⇨ BeratungsSpiel, sowie Anfragen für einen Film ⇨ Blitzlicht: Jugendliche über Gesundheit (2013) im Auftrag von Gesundheit Berlin Brandenburg. Jugendliche agierten als Dozent*innen für Erzieher*innen, um diese, bezüglich der Nutzung einer neuen App für Kinder zu lehren (Auftaggeber: Spandauer Bibliothek (2015)).

Die gelungene (Re-)Etablierung von Handlungskraft Jugendlicher in gesellschaftlichen Wertschöpfungskreisläufen warf automatisch neues Licht auf die Herausforderungen unter Fachgruppen, deren Vernetzung sowie deren Abstimmung. 

Eine weniger zentrale Frage: welche Handlungsfelder sollten Jugendliche umgeben (die typischen Planungsanliegen der Jugendarbeit), da Jugendliche diese selber aufsuchen würden?

Statt dessen galt: die Ressourcenlage und die erforderliche Rolle der intervenierenden Akteure (Jugendarbeiter*innen) zu erkennen.

Die Selbstwirksamkeit der Jugendlichen verdeutlichte zudem, dass weniger von Betreuung und mehr von Intervention und Zuspielskultur die Rede sein müsse. In diesem Sinne lag es auf der Hand, ein Workshopformat zu präzisieren, womit an erster Stelle Fachleute selbst die Ressourcen und Rollen behandeln konnten. Das Ergebnis war: die LösungsSpiele

 

⇧ Nach oben

Innovationswerkstatt > Berlin > Der rote Faden > Zusammenfassung >

LösungsSpiele

Ressourcen und Rollen an erster Stelle: Eine Alternative zur Zukunftswerkstatt, BarCamp, World Café, Open Space & Co.

LösungsSpiele wenden sich an Fachleute und Multiplikator*innen, die vor der besonderen Herausforderung stehen, ihre Zielgruppen durch Hilfe zur Selbsthilfe motivieren zu wollen.

Lösungen gesucht... aber unsere Zeit ist knapp

Caiju nahm 2010 im Projekt Roter Faden die Arbeit mit Fachleuten und deren Kooperationsmöglichkeiten in ihren eigenen Organisationen sowie bei Vernetzungen als zentrales Handlungsfeld des Trägers auf. Die Beweggründe dabei waren einerseits den großen Bedarf der Fachleute bestehende Vorgänge zu optimieren sowie neue entwickeln zu können. Andererseits, angesichts vorhandener Methoden wie Zukunftswerkstatt, BarCamp, World Cafè oder Open Space, war zu sehen, wie Fachleute nach Workshops oder Tagungen voller neuer Ideen aber dennoch mit leeren Händen da standen. 

Die neuen Ideen waren nicht konkret genug. Wenn man nach Hause ging, dann mit dem Gefühl: "So, jetzt kann die Arbeit beginnen". Konzeption beginnt aber nicht einfach so.

Die LösungsSpiele sind deshalb anders. Die Entwicklungsprozesse werden beschleunigt und schneller konkreter, weil wir, für die Arbeit mit Menschen, ein paar fundamentale Kriterien aufstellen. 

LösungsSpiele Header

Geben und Nehmen, Faire Deals

Nach Ideenseminaren, zurück in den Zwängen des Alltags, stellen sich häufig die Fragen: Wie holen wir die Zielgruppen mit ins Boot? …und wie soll die entsprechende Lösung konkret aussehen? Das Handeln der Zielgruppe, ihre Kooperation oder Ablehnung bzw. ihre Mitgestaltung, entscheidet schließlich den Erfolg unserer Arbeit. In den LösungsSpielen stehen diese Fragen an erster Stelle.

Es geht in LösungsSpiele nicht primär um Fachlichkeit und Vorschriften, sondern um die Belange, das Potenzial und die Handlungsmotivation der Zielgruppe.

Grund- und Oberschulen nutzen die Methode bspw. an Studien- oder Teamtagen, um neue Impulse im Lehrer*innenkolleg aufzudecken und um eine Basis für Wertediskussionen sowie Konzeptentwicklungen zu schaffen.

Netzwerke für Bildung oder Stadtteilarbeit können mit LösungsSpiele Ressorts übergreifend die Mitwirkungsmöglichkeiten der gemeinsamen Zielgruppen hinterfragen und gemeinsame Interventionskonzepte erarbeiten. 

Fachleute mit besonders benachteiligten Zielgruppen können zwischen individuellen psychosozialen Voraussetzungen und einem gemeinschaftlichem Betreuungsrahmen eine Brücke bauen.

Mehr über ⇨ Einsatzbeispiele und die Methode LösungsSpiele

 

⇧ Nach oben

Innovationswerkstatt > Berlin > Der rote Faden > Zusammenfassung >

Fortschreibung Masterplan Bildung

2012 - Wahrnehmungen und Handlungsempfehlungen für Bildungsstrategien in Marzahn NordWest 

Ein Jahr nach Abschluss des Projekts ⇧ Roter Faden, erforschte Caiju e.V. Möglichkeiten eines partizipativen Casemanagements im Übergang Schule-Beruf. Eine Gelegenheit, weitere Querschnittsanalysen im Bildungswesen zu entwickeln, jetzt aber aus einer sozialräumlichen Perspektive.

Vielfältige Stimmen und grundlegende Mängel

Im Jahr 2006 war für Marzahn NordWest ein „Masterplan Bildung“ über Mittel des Programms "Soziale Stadt" entwickelt worden. Dieser sollte mit Bezug auf Strukturentwicklungen im Bezirk und die Situation in den Bildungsmilieus im Quartier aktualisiert werden. Dabei sollten Analysen und Handlungsempfehlungen hervorgehen, um Doppelstrukturen zu vermeiden und zentrale Bedarfe verdeutlichen zu können.

Statt dem Versuch, ähnlich wie 2006, verbindliche Ziele und entsprechende Handlungspläne mit den Akteuren vor Ort auszuarbeiten, sammelte Caiju eV. möglichst vielfältige Stimmen und Status-Ansichten. Diese wurden dann als Diskussions- und Aktionsgrundlage aufbereitet. Der Beweggrund für dieses Vorgehen beruhte auf ersten Gesprächen mit Schulleiter*innen. Diese äußerten, dass die Akteure zur Zeit nicht imstande wären bzw. es für sie nicht glaubwürdig war, weitreichende gemeinsame Handlungspläne auszuarbeiten. Vielmehr bestünden grundstrukturelle Mängel, welche erst eine Klärung finden müssten, bevor weiter reichende Planungen auf festen Füssen stehen könnten. Diese Festellung kristalisierte sich aus vielen Gesprächen mit Institutionsleitungen, Lehrkräften, Eltern, Schülern und weiteren Bürger*innen vor Ort heraus.

Im Vorgang war auch eine auf 66 Seiten illustrierte Broschüre integriert ⇨ Hallo Eltern, welche den Fokus auf die gebietseigenen Bildungsinstitutionen gerichtet hatte.

Die Schnittstellen zwischen Schule und Jugendhilfe sowie die Schnittstellen zwischen Bildungsinstitutionen und Eltern zeigten sich als akut problematische Handlungsfelder.

Alle weiteren Handlungsfelder entwickelten sich verhältnismäßig fruchtbar, wie beispielsweise die Umsetzung der neuen Schulreform. Auch die Bedingungen für Kooperationen zwischen Bildungsinstitutionen und Trägern mit ihren Angeboten im Stadtteil verlief unproblematisch.

Über Marzahn NordWest und die Gentrifizierung in Berlin

Marzahn NordWest

Wir befinden uns hier in einer Großsiedlung, umgangssprachlich "Plattenbauquartier" genannt, am nordöstlichen Rand von Berlin. In diesem berlinweit größten Quartiersmanagement-Gebiet leben gut 22.000 Menschen. Es gibt 11 Kitas, 5 Grundschulen, 2 Integrierte Sekundarschulen und eine Gemeinschaftsschule. Das Quartier ist stark von dem seit Anfang des Jahrtausends gesehenem Trend, der Gentrifizierung, betroffen. Brennpunkte aus Berlins Mitte werden durch Mietsteigerungen sukzessiv aufgelöst, die Menschen bzw. die Problemlagen, auch unattraktivere Lagen, werden an den Rand der Stadt verdrängt.

Projektentwicklung - Schwerpunktthemen neu definiert

Eingangs wurden, ausgehend von der Schulleiterrunde des QMs, Gespräche mit allen Schulleitungen und mit einigen Kita-Leitungen geführt. Bereits hier wurde deutlich, dass Kooperationen zwischen Bildungsinstitutionen sowie Projekte im Quartier zwar optimiert werden können, dass aber vor allem die Handlungsfelder „Elternkontakt“ und „Schnittstelle zur Jugendhilfe“ von alarmierenden Problemen geprägt sind. Folglich entschied das Projekt, sich diesen Feldern prioritär zu widmen: Statt einem „Bildungsatlas“ (wie in der Projektausschreibung genannt) entstand das Konzept „Hallo Eltern“. Im Hinblick darauf wurden explizit die Stimmen und das Mitwirken von Eltern sowie von Schülern und Jugendlichen gesucht. Im Hinblick auf die Fortschreibung des Masterplans wurden die Zusammenhänge und mögliche Lösungswege vor allem zu den zwei erkannten Problemfeldern fokussiert.


Hallo Eltern - Comic© Caiju, Zeichnung von Boris-Boll Johansen im Auftrag von Caiju, 2012

3 Teilprojekte, 2 Publikationen

Fortschreibung des &quot;Masterplan Bildung&quot;

Wahrnehmungen und Handlungsempfehlungen für Bildungsstrategien in Marzahn NordWest

Fachbeitrag, 29 Seiten - Sichtbarmachung von Stärken und Schwächen, Lücken und Potenzialen der formellen und informellen Bildungsmilieus.

Socius Workshop

Exemplarischer Workshop und Multiplikatorenschulung zu Inklusion im Rahmen einer Fusion zweier Bildungseinrichtungen

Zum Thema Leitbild, Partizipation der Sozialraumakteure, Teambildung der 10. Schule auf dem Weg zu einer dem Sozialraum hin geöffneten inklusiven Grundschule“ von Kooperationspartner Socius gGmbH.

Hallo Eltern

Brochüre „Hallo Eltern“, 66 Seiten mit vielen Interviews und Berichten

Alle 11 Kitas, 5 Grundschulen, zwei Integrierte Sekundarschulen und eine Gemeinschaftsschule in Marzahn NordWest sowie alle relevanten außerschulischen Einrichtungen und Projekte in einem Handbuch vorgestellt, als Ansprache von und Lotse für Eltern und Elternanliegen.


Ergebnisse / Perspektiven

Festgestellt werden konnte, dass die Bildungsinstitutionen generell gut vernetzt sind. Lokale Angebote werden genutzt und auf beiden Seiten besteht Flexibilität, um auf wechselnde Bedarfe der Kinder- und Jugendlichen entsprechend reagieren zu können. Die Kitas nutzen ihren nahen Elternkontakt, z.B. durch „Elterntreffs“ und bereiten durch ein ganzheitliches Gesundheits- und Kompetenzverständnis die Kinder individualisiert und durch Kooperationen mit Grundschulen auf den Schuleintritt vor. In der Grundschule sind v.a. die Projekte „Zukunftsdiplom“, „Lesepaten“, „Kulturdolmetscher“ erfolgreich etabliert. Die Akzeptanz bei den Zielgruppen für die Nutzung dieser schulexternen Angebote ist steigend. Auch Angebote zur Lebenskultur von Streetworkern oder das Präventionsprogramm der Polizei kommen gut bei den Schülern in Grund- und Oberschulen an.

Die Schulsozialarbeit kann als bedeutende Entlastung und Bereicherung in Schulen bezeichnet werden. Dieses Handlungsfeld leidet jedoch unter unsicherer Finanzierung und einer oft mangelhaften Etablierung von Zuständigkeiten der Sozialarbeit in der Schule. Für Fortschritte in den beiden Problemfeldern „Elternkontakt“ und „Schnittstelle zur Jugendhilfe“ empfiehlt Caiju e.V., die Schulsozialarbeit als Autorität und Vermittler für psychosoziale Themen wie Schuldistanz, Verhaltensauffälligkeiten etc. strategisch besser zu positionieren. Schulinterne Prozesse – wie im Teilprojekt 2 zum Thema Inklusion durchgeführt – sind zu empfehlen, allerdings mit dem Grundsatz, dass Entwicklungen in der Schule auch kulturelle Entwicklungen sind, die längerfristig durch die Schulleitung zu priorisieren sind. Mehr „kultureller Entwicklungsbedarf“ besteht auch an der Schnittstelle: Jugendhilfe. Weniger administrativer Druck und mehr Nutzung von vorhandenem, kooperativem Interventionspotenzial kann nur durch Raum für Reflexion, Supervison und methodische Optimierung unter den beteiligten Fachleuten realisiert werden.</kpt>

 

⇧ Nach oben

Innovationswerkstatt > Berlin > Der rote Faden > Zusammenfassung >

FORUM Übergangssystem - best Practice Spandau

Spandau 2012-2014, Teilprojekt von "Praxis-Clearing", ein Projekt im Programm "Partnerschaft, Entwicklung, Beschäftigung" (PEB) im Rahmen der Aktionsplan des Bezirklichen Bündnisses für Wirtschaft und Arbeit (BBWA)

Zeitgleich mit seiner ⇧ Fortschreibung Masterplan Bildung für das Quartier Marzahn NordWest im Osten Berlins konnte Caiju 2012 mit "FORUM Übergangssystem - best Practice Spandau" zu gesamtbezirkliche Verhälltnisse am westlichen Rand von Berlin zum drittel Mal die Querschnittpotentiale im Bildungswesen erforschen, die mit ⇧ Roter Faden 2010 begonnen hatte. 

FORUM Übergangssystem - Logo

Caiju war von Jugendamt Spandau gebeten worden, im Rahmen eines 2,5 jährigen Blitzjob Modellprojekts auch ein Runde Tisch für alle Akteurstypen der Übergang Schule-Beruf ins Leben zu rufen. Caijus Interesse lag daran, sozialräumliche Perspektiven und ressortsübergreifende Fachthemen unter die erstmalige Mitwirken aller Akteurstypen im Übergangssystem untersuchen und daraus vielleicht neue Schlüsse und Handlungstrategien entwickeln zu können. Das Modellprojekt wurde in enger Abstimmung zwischen dem Projektträger Caiju e.V., dem Kofinanzierungspartner GskA/Outreach, dem Jugendamt sowie den relevanten Gremien und weiteren Akteuren im Handlungsfeld Übergang Schule Beruf für die Bearbeitung besonderer Herausforderungen in Spandau konzipiert.

Erprobung eines neuen Runden Tisch Formats

Die grundsätzliche Aufgabe der Organisations- und Prozessentwicklung des Übergangs Schule-Beruf kann kein Instrument alleine, sondern nur eine mühselig und behutsam entwickelte Dialogkultur lösen. Diese gestaltet sich jedoch besonders schwierig. Die Zuständigkeiten sind geteilt zwischen Land (SenBildung) und Bezirk (Jugendämter und Berufsberatung sowie div. Institutionen und Projekte für außerschulische Bildung) und die einzelne Schulen Rechtskreise.  Dieser Ausgangslage mit dem Zusammenspiel vieler Rechtskreise wird bei weitem nicht den Bedarf aller Jugendliche gerecht, ein Roter Faden aus dem individuellen Bildungs- und Lebensweg spinnen zu können. All zu oft verlieren Fachleute umgeben von systemimmanente Komplexität und Arbeitsdruck die Wichtigkeit der Beteiligung ihre Zielgruppen aus den Augen. An der Stelle engagiert sich Caiju 

Als Teilprojekt im Rahmen des PEB-Projekts „Praxis-Clearing“ (als Projekt des Aktionsplans des Bezirklichen Bündnis für Wirtschaft und Arbeit, BBWA) zeigte sich „FORUM Übergangssystem – best practice Spandau“ auf Anhieb als eine von allen Akteuren erwünschte Neuerung, mit dem Willen, neue nachhaltige und präventive und deshalb bereits im Rahmen der Allgemeinbildung und nicht in den nachkommenden Hilfesystemen angelegte Lösungen zu suchen. Bemerkbar war dies sowohl in den Vorgesprächen ab Anfang 2012, u.a. mit Bezirksbürgermeister Herr Kleebank, später Schirmherr des FORUMs; Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses Frau Mross sowie mit den späteren Beiratsmitglieder*innen Bereichsleiterin Jobcenter U25 Frau Klüger, die Schulaufsicht Spandau, Zuständigkeit für ISS-Schulen, damals Frau Knäringer, Vorstandsvorsitzende von Vereinigung Wirtschaftshof Spandau e.V. Frau Fliegel sowie zuständige für die Zusammenarbeit Schule Jugendhilfe beim Jugendamt Frau Erb (ehm. Weigand). Es zeigte sich zudem in der nahezu vollständigen Teilnehmerrepräsentanz von Akteuren aus dem Bereich Übergang Schule-Beruf in der „Entscheiderrunde“ des FORUMs alle zwei Monate.

Funktion und Ergebnisse

An zahlreichen zentralen Gesprächsrunden sowie an Arbeitsgruppensitzungen in Schulen konnten Perspektiven unterschiedlicher Akteurstypen eingebracht, Problemlagen definiert und Lösungsorientierung gestärkt werden. In den Jahren 2012 bis Ende 2014 diente das FORUM als Brücke zwischen dem Ende 2012 ausgelaufenen Projekt „Regionales Übergangsmanagement“ und der 2015 eingeführten „Jugendberufsagentur“. „FORUM Übergangssystem“ führte nicht direkt zu strukturellen Änderungen, konnte aber dafür erfolgreich zeigen, wie vielfältig die Perspektiven sind, indem ein Dialog zwischen den Ressorts Jugend, Schule und Arbeitsagentur unter Einbeziehung der freien Träger kontinuierlich weitergeführt wurde.

Überblick über die Unterstützungsstrukturen für allgemeinbildende Schulen in Spandau

Für die Sitzung der FORUM Übergangssystem am 15.01.2013 erarbeitete Jana Pampel (RÜM, Regionales Übergangsmanagement, 2008-2012) und Patricia Schmihing (RAV, Regionales Ausbildungsverbund), mit Hilfe von Angela Knäringer (Schul-Aufsicht Spandau), Burkhard Busch (Koordinator der Schullaufbahnberatung, OSZ TIEM) und Frank Tripp (Schulpsychologisches Beratungszentrum) ein Poster mit den Unterstützungsstrukturen für allgemeinbildende Schulen in Spandau.  ⇨ PDF mit detaillierte Erläuterungen öffnen

Unterstützungsstrukturen für allgemeinbildende Schulen in Spandau (2013)

Die weiteren Ergebnisse des FORUM Übergangssystem können in drei Punkten zusammengefasst werden:

  1. Außerschulisch muss das Verständnis für die schwierige Situation der Schulen gestärkt werden.
    • Schule hat einen Erziehungsauftrag bzw. den Auftrag der individuellen Förderung. Auch wenn es oft an Ressourcen dafür mangelt, und die Umsetzung in einzelnen Schulen folglich ambivalent ist, wird innerhalb der Schulen diskutiert wie man dem Anspruch gerecht werden kann. Ein stärkerer Fokus auf Methoden, die Schüler mit in Verantwortung ziehen sowie auf die Ergebnisse aus der Resilienzforschung und entsprechend auf Erfolgsgeschichten könnte zielführend sein.
    • Schulen sind mit einer Vielzahl an von Außen kommende Vernetzungs- und Kooperationsoptionen konfrontiert, die untereinander schlecht oder gar nicht koordiniert sind.
    • Da zudem die Schulen untereinander in ein gewisses Konkurrenzverhältnis gestellt werden, was sich u.a. beim Anwerben von Lehrkräften, Schülern und Wirtschaftspartnern oder bei den zwecks Zusatzmitteln infrage stehenden Einstufung als Brennpunkt- bzw. Förderschule zeigt, ist es folglich sehr schwer (für Schulen als auch für außerschulische Akteure), gemeinsame träger- und ressortsübergreifende Ansätze - mit Schulen insgesamt zu entwickeln.
  2. Es fehlen strukturelle Ebenen, die Schule und Wirtschaft in Bezug auf die Übergänge vereint.
    Das Mitwirken der Schulen in Vernetzungsarbeit (4 von 9 Spandauer Oberschulen wirkten in den FORUM AGs „Effiziente Schule“ und „Das ist Schule“ mit) stellt klar, dass dieses Mitwirken an sich nicht zu Lösungen führt, weil der strukturelle Handlungsrahmen für den Kontakt zwischen Ausbildungsbetrieben und Schulen bzw. Schülern inadäquat sind. [Mit den 2015 eingeführten BSO-Teams kann konsequenter daran gearbeitet werden. In Zusammenarbeit mit der Berliner Handwerkskammer hat Caiju die Thematik im Rahmen von Tag des Handwerks und das Programm "Partnerschaft Schule-Betrieb" aufgenommen.] 
    • In Zeiten des Mangels von qualifizierten Fachkräften müssen auch mittelständische Unternehmen Systeme der Unterstützung und der individuellen Förderung anbieten. Unter Unternehmen gibt es Gesprächsbedarf und die Bereitschaft zur Vernetzung und – möglicherweise auch Bereitschaft zur Kooperation mit Schulen.
    • Eine mögliche Schnittstelle für Schule und Unternehmen könnte sein, systematisch auf die Anregung von Schlüsselkompetenzen zu setzen, und dabei beide Seiten frühzeitig vor dem Übergang von der Schule in Beruf Interaktion zu ermöglichen.
    • RAV (Regionale Ausbildungsverbund), AG78, Jugendberatungshaus und Vereinigung Wirtschaftshof Spandau e.V. bieten gemeinsam geeignete Rahmen um verschiedene Maßnahmen zu bündeln bzw. anzubahnen. Die Möglichkeit für diese Akteure, Kompatibilität der verschiedenen Vernetzungs- und Programminstrumente sicherzustellen, müsste geprüft werden.
    • Es bestehen schon heute Instrumente wobei es zu prüfen wäre ob sie skalierbar und optimiert bzw. mehr verbreitet werden können, wie bspw.:
      • Der neuen Berliner Onlineplattform „SchulePLUS“. => www.schule-plus.de
      • Ausbildungsatlas Spandau
      • Ausbildungspool von Schildkröte e.V. in Kooperation mit dem Jobcenter
    • Weitere machbare Lösungsideen sind vorhanden:
      • Ideen zu einer Fachtagung, einem Aktions-Tag oder Woche, ggf. Schulbesuche mit Shuttlefahrt als Möglichkeit zur Vernetzung und Beteiligung der verschiedenen Fachkreise, Schüler und Eltern, wobei einmalige Veranstaltungen eher nicht imstande sind, die strukturellen Defizite beheben zu können.
      • Es bedarf einer Koordinierungsstelle, die die Unternehmen in Ausbildungsfragen vernetzt, und davon ausgehend, gemeinsame Qualitätsstandards für den Matchingprozess mit Schulen und Schülern etabliert, weil sonst die Fachlichkeit des Kontakt- und Betreuungspfaden an beliebigen Stellen immer wieder brechen kann.
      • Ein Stammtisch Schule – Jugend – Wirtschaft
      • Best Practice- Plattform mit laufenden Gelegenheiten für Schulen zur Präsentation erfolgreicher Methoden und Projekte
      • Fortführung bzw. Reaktivierung des Projektes Schüler treffen Azubis (dazu soll eine AG entstehen) [Beispiel: Siehe "U-Scout-Tag" von Caiju in Zusammenarbeit mit zahlreiche regionale Partner]
  3. Mit den heutigen Förderstrukturen sind die Möglichkeiten gering, überhaupt nachhaltige Verhältnisse im Übergang Schule Beruf entwickeln zu können. Wir haben hier mit Hürden zu tun, die nicht ohne entsprechende politische bzw. behördliche Richtlinienänderungen überwunden werden können.
    • Es bedarf einer Implementierung und nachhaltigen Pflege und Sicherstellung von guten Ansätzen & Beispielen in spezifischen Ebenen der Übergangsthematik. Erschwert wird diese vor allem durch die Sprunghaftigkeit der Förderlandschaft.
    • Es ist schwierig, Angebote in die Schulen hineinzutragen (Überangebot, kurze Projektförderzeiträume, keine Nachhaltigkeit).
    • Umsetzungsideen:
      • Alternativ wäre besser denkbar, Schulen könnten eigenständig auf eine Angebotsstruktur zurückgreifen, die möglichst ‚kostenneutral’ ist und auf die bei Bedarf zurückgegriffen werden kann.
      • Richtlinienänderungsforderung erhält den Namen: „Spandauer Aufruf“. Er muss durch einen Rechtsanwalt umgesetzt und öffentlichkeitswirksam adressiert werden.
 

⇧ Nach oben

Innovationswerkstatt > Berlin > Der rote Faden > Zusammenfassung >

Initiativkreis Kinder und Jugendbeteiligung

<in Arbeit>

 

⇧ Nach oben

Innovationswerkstatt > Berlin > Der rote Faden > Zusammenfassung >

netzwerkgruppen.de

Webbasierte Plattform zur Unterstützung fachlichen Austauschs und Diskussion im Bereich Bildung, Soziales, Gesundheit und Arbeit

Seit Jahren ist von Fachleuten, die mit regionaler Vernetzung beschäftigt sind, zu vernehmen, dass man gerne einen besseren Überblick darüber hätte „was es gibt“.

netzwerkgruppen.de ist initiiert worden, um ein Instrument zu realisieren, womit Netzwerkarbeit innerhalb von Organisationen sowie bei Projekten, Trägern und Ämtern nachhaltig gestaltet werden kann.

Im Jahr 2013 wurde im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf ein Pilotprojekt durchgeführt und unter Mitwirkung repräsentativer Fachleute und deren Netzwerke aus der Pilotregion, einer international orientierten Wissenschaftlerin sowie eines Expertenteams für webbasierte Software eine Beta-Version der webbasierten Plattform geschaffen.  ...Mehr über PFAD

Ab 2015 wird PFAD weiter entwickelt und in gemeinnütziger Rahmen betrieben in Kooperation von Caiju e.V. und Computerbildung e.V.     Kontakt pfad@caiju.de

PFAD Logo        Computerbildung e.V. Logo       Caiju Logo
Ċ
Per Traasdahl,
29.03.2015, 06:15
ą
Per Traasdahl,
08.04.2015, 05:08