Das Blumenprojekt Reallabor

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Das Blumenprojekt - Berichte aus der Praxis

Wedding 2011, Niederschöneweide 2012, Köpenick 2014

Im Blumenprojekt haben die Jugendlichen eine ganz besondere Rolle. Ihre Aufgabe ist es nicht, die Begrünung selbst vorzunehmen, sondern sich in der Rolle als beauftragte „Blumenmanager*innen“ an die Bewohner*innen zu wenden und möglichst viele von ihnen dafür zu motivieren und sensibilisieren.

⇨ Mehr über das Instrument Das Blumenprojekt - Ziele und Methoden

 

Buttmannstraße Wedding 2011

Im Pilotverfahren sollte das Instrumentarium entwickelt und überprüft werden. Ziel war es, im Sozialraum des Hinterhofs einander fremde Kulturen in einen Dialog miteinander zu bringen.

Pilotprojekt 2011

Die Idee zum Blumenprojekt wurde 2011 im Auftrag von der Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU entwickelt und im Rahmen des 2011 in Mitte durchgeführten TeenKom-Pilotprojekts erprobt.

Als Projektort des Pilotprojekts wurde ein Mietshaus in der Buttmannstrasse im Gesundbrunnen-Viertel in Wedding gewählt. 

Das Projekt startete mit einer Lagebesprechung vor Ort mit dem Objektmanager von GESOBAU, den Coaches von TeenKom und Mitwirkenden der Buttmann-Initiative, die schon seit mehreren Jahren verschiedene Aktionen im Kiez unterstützen.


In den insgesamt 10 Beeten im Innenhof gab es schon ein paar einzelne Pflanzen, ansonsten allerdings nur Unkraut. Somit konnte man den Bedarf einer schönen Begrünung schnell feststellen. Zentral war zu allererst die Frage, wie ein möglicher „Deal“ aussehen könnte. Offene Fragen waren z.B.: Was würden die Blumenmanager den Bewohner konkret vorschlagen und wie könnte die Überzeugungsarbeit der Blumenmanager eine faire Basis bekommen?

Nach einer Ideenfindung der TeenKom-Coaches und einer ersten Testphase wurden die Spielregeln zusammen mit den Jugendlichen und in Absprache mit GESOBAU festgelegt. Der Vermieter werde sein Engagement zeigen und somit die ersten fünf Pflanzen und frischen Mutterboden finanzieren. Zudem verspricht GESOBAU, für jeden Pflanzeneinkauf die gleiche Summe für weitere Anschaffungen (Pflanzen, Werkzeug) bereitzustellen. Die Bewohner haben somit die Möglichkeit, für jedes finanzielle Engagement von z.B. von 10,- Euro Pflanzen im Wert von 20,- Euro zu kaufen.

Insgesamt 10 Jugendliche aus dem Stadtteil Wedding-Gesundbrunnen, die sich bei TeenKom angemeldet hatten, führten in unterschiedlichen Besetzungen die anfängliche „Akquise“ unter den Bewohnern durch. Der persönliche Kontakt wurde bevorzugt; dies bedeutete aber auch, dass es nicht immer leicht war, die Bewohner daheim anzutreffen. Um Klarheit zu schaffen und einen Wechsel unter den Jugendlichen in Zukunft zu vereinfachen, wurde eine große Tabelle mit allen Ergebnissen angelegt. In der Ferienzeit war es natürlich nicht einfacher, den Kontakt zu finden, aber letztendlich hatte sich Ende August eine ausreichende Anzahl von interessierten Bewohnern zurückgemeldet, um einen ersten Tag für das Anpflanzen zu bestimmen.



Am ersten Pflanztag waren die Blumenmanager Tuana und Duygu im Einsatz. Sie trugen den gelieferten Mutterboden und die ersten fünf Pflanzen von GESOBAU in den Innenhof und waren gespannt, ob und welche Bewohner kommen würden.



Als die erste Bewohnerin kam, sah man sich gemeinsam die Begebenheiten an, während Duygu die Pflanzen im Einzelnen vorstellte.



Tuana übernahm die Leitung der Diskussion, wo genau welche Pflanze am besten hinpassen könnte und somit wurde schnell eine erste Fläche von Unkraut befreit und es konnte bald mit dem Graben losgehen.



Kurze Zeit später hatten sich schon ein paar Kinder, die im Hof spielten, den Aktivitäten angeschlossen und die Freude war groß, als der erste Busch im Boden verankert war.



Mittlerweile waren weitere Bewohner hinzugekommen. Durch die Tatsache, dass bald die ersten fünf Pflanzen eingesetzt wurden, entschieden sich ein paar Bewohner spontan zur Baumschule zu fahren, um gleich von der 50:50 Spielregel zu profitieren. Zurück mit einem Auto voller Pflanzen, hatten sich schon weitere Bewohner um das Unkrautzupfen in weiteren Beeten gekümmert. Um den plötzlichen Mangel an Werkzeug für das Graben aufzuheben, wurde mit großen Löffeln improvisiert.



Ein türkisches Ehepaar, das sich dem Projekt nicht vorab angeschlossen hatte, war so über die Aktivitäten erfreut, dass sie allen Tee und Kekse brachten. Wie die Blumenmanager berichten konnten, waren jetzt schon mehrere Bewohner, die sonst noch keinen Anlass zum Gespräch gehabt hatten, zum ersten Mal für eine gemeinsame Aktivität zusammen gekommen. So wie den Kindern, ging es wohl am Ende auch allen anderen Teilnehmern: Es gab an diesem Tag eigentlich keinen Unterschied zwischen Arbeit und Spiel. Die Pflanzen waren schon sehr schön, aber noch schöner war sicherlich die Gemeinsamkeit an diesem Nachmittag. So wie ein Bewohner später die Frage, weshalb er teilgenommen habe, beantwortete: „Weil es Spaß macht, ganz einfach. Weil es eine schöne Möglichkeit ist, den tristen Hinterhof schöner zu machen und dieses Haus ein bisschen weniger anonym zu machen.“ Auf die Frage nach den Spielregeln kam die folgende Antwort: „Ich finde den Deal fair. Es muss sich zeigen was daraus wird, weil da ja Arbeit dran hängt. Es ist jetzt ein guter Start. Es ist die Frage, wie nachhaltig es ist und wie gut man sich darum kümmert. Es geht tatsächlich darum, dass jemand beim Organisieren hilft, besonders Termine einzuhalten und sich zu überlegen, wann welche Pflanzen welche Pflege brauchen. Die Gegenseitigkeit ist wichtig, ich glaube, sie ist sehr wichtig.“



Nach insgesamt 6 Stunden konnten die Blumenmanager feststellen, dass die Begrünungsaktion sehr erfolgreich war, und dass viel Arbeit bevorsteht, da die Blumenmanager die Bewohner in der Einhaltung des Pflegeplans unterstützen werden.

Das Blumenprojekt zeigt, dass es durchaus möglich ist, Ideen in einem Wohnumfeld, in dem Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenwohnen, umzusetzen, ohne die Bewohner zu bevormunden oder ihr Misstrauen zu wecken. Die Blumenmanager haben sich als neutrale Akteure dafür eingesetzt, die Bewohner des Hauses für einen schönen Innenhof und eine gemeinsame Bepflanzung zu sensibilisieren und zu motivieren. Die Reaktionen der Bewohner am Tag der Bepflanzung zeigen, dass es wichtig und gut ist, Leute aus einem gleichen Wohnumfeld zusammenzuführen und Ideen gemeinsam umzusetzen. Dafür braucht es allerdings oft einen Anstoß von außen, um Ideen wirklich umzusetzen und sich auch danach um die Weiterführung zu kümmern.

An dem Pflanztag kamen Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Studenten und ältere Menschen zusammen. Sie alle haben das gleiche Wohnumfeld, nur haben sie sich noch nie wirklich aufeinander eingelassen. Sie haben die gleichen Interessen: Sie möchten gerne ein schönes Wohnumfeld haben und sich dort auch wohl fühlen. Mit Hilfe des Blumenprojekts ist dies gelungen und die Nachhaltigkeit des Projekts beweist, dass es sich lohnt, sich gemeinsam für eine Sache einzusetzen. Die Blumenmanager haben nun auch ein Gefühl, dass es sich ihre Arbeit gelohnt hat. Es war nicht immer leicht für sie, die Bewohner in ihrem privaten Umfeld anzusprechen und für die Idee einer Begrünung im Innenhof zu begeistern. Die Reaktionen und die große Anzahl von Bewohnern, die mitgeholfen haben, zeigen, dass sich ihr Engagement gelohnt hat.

Ihre Aufgabe ist allerdings noch nicht beendet, da die Pflege der Pflanzen auch organisiert werden muss. Dies werden die Blumenmanager in Absprache mit den Bewohnern in die Wege leiten. Die Bewohner sollen sich mit der Pflege der Pflanzen abwechseln und somit auch in Kontakt miteinander kommen. Außerdem soll der Gedanke unterstützt werden, dass Ideen, wenn sie einmal umgesetzt werden, auch weitergeführt werden müssen, damit sie bestehen bleiben und alle davon gemeinsam profitieren können.

 

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Niederschöneweide 2012

Inmitten eines der schwierigsten Brennpunkte im Osten Berlins war es eine Herausforderung, Bewohner für eine Pflanzaktion in Baumscheiben im öffentlichen Raum zu gewinnen. Ein 10 min. Film zeigt, was die Blitzjobber Dome, Gena, Hime, Jojo, Kathey, Käte, Nero, Steve und Syren vom Konzept halten und wie sie mit ihrer Rolle als Blumenmanager*innen umgehen.

Titelbild Das Blumenprojekt Niederschöneweide

Zweites Halbjahr 2012

Nach der ⇨ Entwicklung und Pilotierung des Verfahrens zu "Das Blumenprojekt" in der Buttmannstraße, Wedding Berlin Mitte 2011, bot sich im Rahmen des Lokalen Aktionsplans (LAP) 2012 die Gelegenheit, Bewohner in Niederschöneweide im Osten Berlins auf den Deal einer Bepflanzung anzusprechen. Anders als im Weddinger Pilotprojekt war nicht ein Innenhof, sondern öffentliche Baumscheiben direkt vor der Haustür das angezielte Szenario.

Die Frage des Projekts lässt sich salopp wie folgt formulieren:

Who cares... und was im öffentlichen Raum passiert geht uns sowieso nicht an...

Der Stadtteil Niederschöneweide gilt als berühmt-berüchtigt sowie verschlossen, politisch rechtslastig und allergisch gegenüber neuen Impulsen. Das Blumenprojekt wollte im Gegensatz zu den meisten Initiativen vor Ort kein politisches Profil hineintragen, sondern einzig und allein die Offenheit zufällig begegneter Bewohner herausfordern bzw. herauskitzeln.

Dem Verfahren entsprechend sollte es allein auf den beauftragten jugendlichen "Blumenmanager" ankommen, ob Engagement für das Bepflanzen von Baumscheiben geweckt werden konnte oder nicht.

Ein langer Weg, viele Ansprachen... aber dann:

Nach 2 Projekttreffen zur Planung, Organisation und Vorbereitung, 6 Akquiseterminen zur aktiven Ansprache von Anwohnern, 1 Workshop zu wesentlichen Grundlagen von Baumscheibenbepflanzung, 6 vorbereitenden Aktionen sowie 2 Infotreffen mit Anwohnern gelang es, an einem fulminanten Pflanztag 3 Baumscheiben in der Hasselwerder Straße zu begrünen und einzuzäunen.






Diese Fotos sind Stills aus dem folgenden 10 min. Film in dem jugendliche Blitzjobber davon berichten, was sie vom Projektansatz halten und wie sie mit ihrer Rolle als "Blumenmanager*innen" umgehen.

Insgesamt wurden im Verlauf des Projektes 106 Personen bzw. Anwohner aus dem Kiez angesprochen. Grundsätzlich hatten davon fast 60 % das Projekt sehr begrüßt und gut gefunden. Von den 106 angesprochenen Anwohnern hatten sich 14 für das Projekt interessiert und ihre Kontaktdaten hinterlegt. Insgesamt 6 Anwohner machten aktiv bei der Bepflanzung mit und haben auch die Pflege der Baumscheiben übernommen.

Die Bewohner wurden aktiv per Telefon und Flyer/ Infozettel über geplante Aktivitäten informiert. Sie wurden im Vorfeld aktiv angesprochen, zu Informationstreffen und zur Bepflanzung eingeladen.

Hemmend

Die typische Haltung bei "kein Interesse": Oft wurde kein Sinn in der Aktion gesehen (Vandalismus, etc.), man fand es gut - möchte aber nicht aktiv mitmachen, keine Zeit an dem aktuellen Tag,...

Begünstigend

Interesse für das eigene Wohnumfeld, das Engagement der Jugendlichen wurde positiv gewertet und förderte Unterstützung, gute nachbarschaftliche Kontakte (die Anwohner kannten sich gut)...

Fazit

Caiju begreift zwei Feststellungen als zentrale Empfehlungen für Interventionsstrategien:

  1. Beteiligung Jugendlicher im Gemeinwesen- bzw. an engagementsorientierten Maßmahmen. Hierfür gibt es bislang wenige Ansätze, wonach Jugendliche als Akteure im Sinne von Auftragnehmern ernst genommen werden. Die Sinnhaftigkeit und Machbarkeit, dies zu tun, sehen wir mit dem Projekt bewiesen.
  2. Das Engagement unter Bewohnern gestaltet sich erwartbar schwer, wobei ablehnende Haltungen eher aus gewöhnlicher Zeitenge und Skepsis, denn aus "Intolerenz" bestehen. Daher empfiehlt es sich durchaus, Handlungsfelder für Identifikation mit und Beteiligung in dem Wohnumfeld zu schaffen. 

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Puchanstraße Köpenick 2014

Nachdem es gelungen war, sowohl Bewohner für die Bepflanzung eines Innenhofs (Wedding 2011) als auch Nachbarn für Baumscheiben direkt vor der Haustür (Niederschöneweide 2012)  zu mobilisieren, sollte die finanzielle Seite näher untersucht werden. Anhand der Referenzen der vergangenen Blumenprojekte gelang es, einen Hauseigentümer in der Köpenicker Puchanstrasse für die Idee zu gewinnen und damit das Vorhaben zu stärken, das Verfahren weiterhin als Instrument der Standortpflege anzubieten.

Sommer 2014

Mit TeenKom und dem Blumenprojekt das nahe Lebensumfeld verbessern... und mit dem Eigentümer im Boot bekommt das Geben-und-Nehmen eine weitere Dimension

Jedem ist es wichtig, dass er sich in seinem nahen Lebensumfeld wohl fühlt. Dazu gehört, dass unser Wohnumfeld schön ist und wir uns mit den Nachbarn gut verstehen.

Das Blumenprojet, das von TeenKom umgesetzt wird, unterstützt Hauseigentümer in seinem Anliegen, den Standort nachhaltig und attraktiv zu gestalten, in dem Sinne, dass dieser auch in der Zukunft gepflegt und genutzt wird.

TeenKom bindet die Bewohner aktiv in den Prozess mit ein und Jugendliche von TeenKom sind für die Umsetzung des Blumenprojekts verantwortlich.

Die TeenKom Blitzjobber sprechen die Bewohner auf eine mögliche Begrünung an und finden heraus, wer sich in welcher Art und Weise engagieren und beteiligen möchte. Außerdem organisieren sie Treffen der Bewohner, vorbereitende Arbeiten, betreuen die Bepflanzungsaktion an sich und sorgen sich später um die Umsetzung eines Pflegeplans. Sie werden dabei kontinuierlich von den Caiju Coaches unterstützt.

Blumenprojekt Puchanstr. Fotocollage

Im Sommer 2014 konnten im Auftrag der Hauseigentümer in der Puchanstraße in Köpenick ein Blumenprojekt in Kooperation mit dem Rabenhaus e.V. organisiert und durchgeführt werden.

Insgesamt waren 10 Jugendliche aus dem Projekt  ⇨ Stadtteil-Pilot in der Rolle als TeenKom Blitzjobber an der Umsetzung des Blumenprojekts beteiligt. Sie sprachen alle Bewohner des Hauses an und organisierten mehrere Vorbereitungstreffen, bei denen die Blumenbeete, der Sandkasten und die Sitzbänke genau geplant wurden.

Zusammen mit den Bewohnern konnte ein detaillierter Plan erstellt werden, wie der Hinterhof der Puchanstr. 9 gestaltet werden soll. An einem Wochenende im August wurde die Bepflanzungsaktion, betreut von den TeenKom Blitzjobbern, unterstützt durch das Rabenhaus e.V. und Caiju Coaches, gemeinsam mit den Bewohnern umgesetzt.

Es machte allen sehr viel Spaß und es entstanden wunderschöne Kräuter- und Blumenhochbeete. Zusätzlich konnte ein Sandkasten und zwei Sitzbänke gebaut und errichtet werden. Dort, wo früher Parkplätze waren, sind jetzt Blumenbeete umringt von einer Wiese und einem Sandkasten und Bänken. Ein Platz, der von den Bewohnern viel genutzt wird.

Durch das Blumenprojekt sind die Bewohner miteinander in Kontakt gekommen und es konnte ein Treffpunkt gestaltet werden, der gleichzeitig das Wohnumfeld verschönert.

Die TeenKom Blitzjobber spachen nach der Bepflanzungsaktion alle Bewohner auf die Pflege der Blumenbeete an und konnten Blumenpaten für die entstandenen Hochbeete engagieren.